EZB: Anleihenkäufe verstärkt

Die EZB nimmt noch mehr Tempo beim Ankauf von Staatsanleihen auf. In der letzten Woche und auch im gesamten Mai war die Anzahl der Staatsanleihekäufe etwas höher als im Vormonat. Laut einer Mitteilung der Europäischen Zentralbank wurden in der letzten Woche Staatsanleihen und Anleihen europäischer Institutionen im Wert von mehr als 12 Milliarden Euro angekauft. Trotz der zahlreichen Feiertage im Mai kaufte die EZB im abgelaufenen Monat insgesamt Wertpapiere für rund 63 Milliarden Euro, im April waren es nur 60 Milliarden. Mehr als 51 Milliarden Euro entfielen im Mai auf öffentliche Schuldtitel.

Insgesamt will die EZB bis Herbst 2016 monatlich Wertpapiere für 60 Milliarden Euro aufkaufen, rund 50 Milliarden davon sollen öffentliche Anleihen sein. Die meisten Käufe erfolgen auf nationaler Basis, der Rest stammt von Covered Bonds und Kreditverbriefungen. Bei der Bundesbank erhöhten sich die Bestände an öffentlichen Anleihen im Mai um mehr als 12 Milliarden Euro mit einer durchschnittlichen Restlaufzeit von 7,11 Jahren.

Verstärkter Anleihekauf angekündigt

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Der EZB-Direktor Benoit Coeure hatte bereits vorab für Mai und Juni einen verstärkten Anleihekauf angekündigt, um dann im Juli und August wegen der Sommerflaute weniger Wertpapiere zu kaufen. Das Ziel der Maßnahme ist es, die schwache Konjunktur in der Eurozone in Schwung zu bringen und die Inflation nach oben zu schrauben. Zuletzt hat die Inflationserwartung in den Euroländern angezogen und die Geldmenge wurde größer. Die Vergabe von Krediten war aber zuletzt verhalten.

Mit Anleihekäufen, auch quantitative easing (kurz QE; „Qualitative Lockerung“) will die EZB mehr Geld in Umlauf bringen, um langfristig die Zinsen im Euroraum zu senken, die Wirtschaft anzukurbeln und die Inflation zu erhöhen.

Anhaltende Kritik an EZB-Anleihenkäufen

Der Start der Anleihekäufe durch die EZB zu Beginn des Jahres wurde von Kritikern als Tiefpunkt gesehen. Sie warfen EZB-Präsident Mario Draghi einen Tabubruch vor, als er die Freigabe zum Staatsanleihekauf gab. Draghi wurde vorgeworfen, mit dieser Maßnahme vor allem Banken und den angeschlagenen Staaten in Südeuropa zu helfen. Diese können damit weiterhin billig Geld bekommen.

Eines der Ziele ist es, dass Banken mehr Kredite vergeben. Zudem sollen Anleger mehr investieren. Dies verzögert jedoch notwendige Reformen und an den Aktien- und Immobilienmärkten können Preisblasen entstehen.

Schadet die EZB Griechenland?

Niemand kennt die wirklichen Auswirkungen der EZB-Maßnahmen

Niemand kennt die wirklichen Auswirkungen der EZB-Maßnahmen , Bildquelle: „EZB“ von Christoph F. Siekermann – self made

Neben den Verhandlungen im Schuldenstreit mit Griechenland mit ungewissem Ausgang könnte auch das Anleiheprogramm der EZB Auswirkungen auf Griechenland haben und Athen sogar schaden. Mit den Kauf von Staatsanleihen begünstigt die EZB, dass die Zinsabstände zwischen deutschen Bundesanleihen und den Staatsanleihen von Ländern wie Italien oder Spanien gering bleiben. Ohne das EZB-Programm hätte Athen mehr Spielraum und könnte auf mehr Entgegenkommen der europäischen Partner hoffen. Zudem hätte ein Bankrott Griechenlands ohne das Anleiheprogramm der EZB sofortige negative Auswirkungen auf die finanzielle Lage anderer Euroländer.

Dennoch ändert diese Einsicht wenig an der aktuellen Situation. Die wenigen Anleger, die noch mit griechischen Staatsanleihen handeln, sorgten am Montag dafür, dass die Rendite der griechischen Staatsanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren nochmals um 18 Basispunkte auf 11,06 Prozent stieg.

Auch die Renditen für andere angeschlagene Staaten, vor allem Portugal, stiegen an. Die portugiesische Staatsanleihe stieg um 17 Basispunkte auf 2,7 Prozent. Derzeit wird in Portugal um eine Fortführung der Sparpolitik gerungen. Der Ministerpräsident Cavaco Silva nennt dafür eine Mehrheitsregierung im Land als Bedingung. Derzeit liefern sich in Portugal Sozial- und Christdemokraten auf der einen Seite und die Sozialisten, die für ein Ende der Sparpolitik stehen, ein enges Rennen.

Kein Ende der Anleihenkäufe in Sicht

Wenn es nach Mario Draghi geht, wird die Geldschwemme weitergehen. Am Mittwoch findet bei der EZB eine Zinssitzung statt. Die Konjunkturerholung steht auf wackeligen Beinen und die EZB muss die Lage in Griechenland im Blick behalten. Daher wird Draghi morgen wohl betonen, dass die EZB ihr Kaufprogramm vollständig umsetzen wird, auch um Spekulationen über ein rasches Ende des Programms zu vermeiden.

Die Ziele der EZB sind noch lange nicht erreicht: So vergaben die Banken beispielsweise im April genauso viele Kredite an Unternehmen an private Haushalte wie 2014. Erklärtes Ziel ist aber, die Vergabe von Krediten zu erhöhen. Zudem stagnierten die Preise. Angestrebt ist aber eine Erhöhung um knapp zwei Prozent, da dies für die Entwicklung der Wirtschaft nach Meinung der EZB am besten ist.

Draghi wird am Mittwoch aber sicher auch über Griechenland sprechen. Schließlich ist die EZB, die jede Woche aufs Neue über die Gewährung von Nothilfen der griechischen Notenbank an lokale Banken entscheidet, ein wichtiger Akteur im Schuldenstreit. Wenn die EZB diese Praxis aufgibt, könnten die griechischen Banken rasch Probleme bekommen. Daher wird die EZB wohl auch weiter Kredite nach Griechenland vergeben.

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