ETX Capital: Kundenzuwachs durch Alpari-Pleite

Seit der Pleite Alpari’s kam es in der Branche immer wieder zu Fragen und Spekulationen, was nun mit dem Kundenstamm des insolventen Unternehmens geschehen würde. In dem Zusammenhang sind bzw. waren natürlich auch viele Kunden beunruhigt, was mit ihrem eingezahlten Kapital geschieht. Gestern gab der britische Forex- und CFD-Broker ETX Capital den Erwerb des Kundenbestands von Alpari UK durch den Konkursverwalter KPMG bekannt.

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ETX Capital gilt als einer der führenden globalen Online-Broker

Nach Aussagen von Andrew Edwards, CEO von ETX Capital, sei diese Transaktion durchaus erfreulich, da es hierdurch möglich sei, zwei verschiedene Ziele des britischen Brokers zu ergänzen. Dies sei einerseits die Erweiterung des MT4-Angebots und andererseits der kontinuierliche Zuwachs des eigenen Kundenbestands. Dennoch betont Edwards, dass ETX Capital mit den Alpari-Kunden mitfühle. Das Unternehmen wisse, dass die vergangenen Monate für die Kunden des insolventen Finanzdienstleisters „nicht einfach gewesen sind“ und zeigt sich bemüht:

Unsere Auswahl an verschiedenen Plattformen sowie unser mehrsprachiger Service erlauben uns, bestmöglich auf die Bedürfnisse dieser Kunden einzugehen. Eventuell möchten die Kunden sich selber um den Verwaltungsprozess kümmern, um die Ansprüche auf ihre Geldeinlagen geltend zu machen. Wir hoffen jedoch, dass sie unser Angebot annehmen werden, sie bei der reibungslosen Übertragung ihrer Gelder zu ETX Capital zu unterstützen.”

Auch Chairman von ETX Capital, John Wilson, blickt der Zukunft positiv entgegen. Laut ihm konnte ETX Capital „ein sehr gutes erstes Quartal verzeichnen, trotz der Gegebenheiten, die zu Alparis Konkurs geführt haben.“ Seiner Auffassung nach werde „dieses Neugeschäft“ im Anschluss an das äußerst erfolgreiche Jahr 2014 zu einem beschleunigten Wachstum des Unternehmens und einer erhöhten Dynamik führen.

1.) Was passiert mit Kundeneinlagen im Insolvenzfall eines CFD Brokers?

2.) Aufgabe und Tätigkeit von Regulierungsbehörden

Themenicon RegulierungDie Antwort auf die Frage, was generell bei einer CFD Broker Pleite passiert, ist abhängig vom Sitz und von der Regulierung des Unternehmens. Die meisten CFD Broker – und auf jeden Fall alle Anbieter, die wir Ihnen hier auf brokervergleich.net vorstellen – unterliegen einer staatlichen Regulierung. Die Regulierung richtet sich wiederum nach dem Sitz des Brokers. Hat ein Anbieter seinen Sitz in Großbritannien, so unterliegen sie der britischen Aufsichtsbehörde FCA.

Diese überwacht einerseits den Broker. Dies geschieht dadurch, dass die Unternehmen in regelmäßigen Abständen Reports über ihre finanziellen Verhältnisse und Geschäftstätigkeiten melden müssen. Beispielsweise muss jedes Unternehmen, welches von der FCA reguliert wird, täglich die Kapitalausstattung berechnen und an die FCA melden. Dadurch wird sichergestellt, dass der Broker permanent über genügend bankaufsichtsrechtliches Eigenkapital verfügt. Anhand von diversen Kennzahlen findet anschließend eine Risikoüberwachung statt.

Um rechtzeitig zu reagieren nutzen Regulierungs- und Aufsichtsbehörden auch noch weitere Parameter. Zum Beispiel sind die so genannten CDS (Credit Default Swaps) ein guter Indikator, um mögliche Risiken bei einem Broker zu erkennen. Ein CDS ist zu deutsch eine „Kredit Ausfallversicherung". Diese CDS werden vor allem im Interbankenhandel angewandt. Damit können sich Unternehmen gegen eine Insolvenz oder Pleite einer Bank versichern. Es ist naheliegend, dass je höher die CDS – sprich die Versicherungsprämie – liegt, desto höher das Ausfallrisiko ist. CDS sind also ein erster Indikator, um Risiken bei einer Bank zu erkennen.

Sollten die „Alarmglocken" bei einer Aufsichtsbehörde läuten, so werden Schritte unternommen. Es erfolgen beispielsweise Pressemitteilungen über eventuelle Gefahren bzw. Risiken. Dem Broker können auch Auflagen gemacht werden und sogar die Zulassung entzogen werden. Doch all das ist bei Alpari UK nicht passiert, da der CFD Broker bis dahin völlig korrekt gearbeitet hat.

ETX Capital: Kundenzuwachs durch Alpari-Pleite

Der Webauftritt von Alpari

3.) Gesetzliche Einlagensicherung bei CFD Broker

Themenicon EinzahlungMit der Regulierung geht häufig eine Einlagensicherung der Kundengelder einher. CFD Broker die ihren Hauptsitz in Großbritannien haben, unterliegen beispielsweise einer gesetzlichen Einlagensicherung von 50.000 GBP je Kunde. Innerhalb des Euro-Raums beträgt die Summe 100.000 Euro je Kunde. Hier gilt es jedoch zu beachten, dass die Höhe der Einlagensicherung je Kunde und Bank gilt. Sollten Trader also mehrere Konten bei ein und demselben Broker haben, so gilt die Summe für die gesamten Einlagen – nicht für jedes Konto separat!

Größere Banken sind häufig noch in weiteren freiwilligen Sicherungsverbänden integriert. Dadurch kann die Einlagensicherung im hohen 2-stelligen Millionenbereich liegen. Sparkassen und Volksbanken bieten sogar eine unbegrenzte Einlagensicherung der Kundengelder. CFD Broker haben jedoch meist nur die gesetzliche Mindestanforderung.

Einlagensicherung gilt nur für nicht investiertes Kapital

In diesem Zusammenhang ist es jedoch wichtig zu wissen, dass die Einlagensicherung bei CFD Broker nur für das Kapital gilt, welches im Augenblick der Insolvenz nicht investiert ist! Geld, welches direkt in CFDs investiert wurde, unterliegt nicht der gesetzlichen Einlagensicherung. Hintergrund ist, dass die Eröffnung einer CFD Position ein Geschäft mit dem Broker darstellt. Es wird ja nicht direkt der Basiswert, zum Beispiel eine Aktie, gekauft. Sondern im rechtlichen Sinne erstattet der Broker die Differenz zwischen Einstiegs- und Ausstiegskurs. Der Trader geht nur mit dem Anbieter eine Abmachung ein, bei dem eine Kursdifferenz als Geschäft zugrunde liegt.

Das Kapital welches nicht investiert wird, muss daher auch auf getrennten Konten geführt werden, damit es im Falle einer „Pleite" nicht in die Insolvenzmasse eingerechnet wird. Vom technischen Ablauf bekommt der Kunde in der Regel gar nichts mit. Dieses Kapital wird auf Konten bei anderen Banken bzw. Tochterunternehmen geführt. Das gilt jedoch nur für Kunden aus dem Privatsegment. Sogenannte „Professionelle Kunden" unterliegen anderen Bestimmungen.

CFD Trader müssen sich immer bewusst sein, dass Geschäfte, die sie mit dem CFD Broker tätigen, nicht unter die gesetzliche Einlagensicherung fallen. Grundsätzlich gilt das gleiche für jeden Wertpapier Emittenten. Doch im Gegensatz zu Hebelzertifikaten, unterliegt der Trader bei CFDs im Extremfall einer Nachschusspflicht.

4.) Hintergrund: Die Insolvenz von Alpari UK

5.) Zu große Positionen auf den EUR/CHF

Themenicon Forex-HandelJanuar 2015: Der Euro verlor im Vergleich zum Franken bereits seit einigen Jahren an Wert und die Schweizer Notenbank kaufte selbst Euro auf, um den Franken über der 1,20-Euro-Marke halten zu können. Die Schweizer Notenbank bekräftigte, dass der Kurs von 1,20 für sie die absolute Schmerzgrenze bedeutet und sie sogar unlimitiert Euro gegen Schweizer Franken kaufen würde. Viele Trader kamen nun auf diesen Gedanken:

Sobald der Euro Kurs die Grenze von 1,20 CHF erreichte, wurden Long-Positionen eröffnet. Es konnte doch gar nichts schief gehen – so dachten viele Händler. Die Notenbanker bekräftigten immer wieder, dass sie bei dieser Grenze intervenieren. Und tatsächlich taten sie das einige Jahre. Daraufhin wurden immer größere und spekulativere Long Positionen eröffnet. Doch mit der Zeit bekam die Schweiz bzw. die Notenbank ein Problem.

Das unlimitierte Kaufen von Euro und gleichzeitige Verkaufen von Schweizer Franken hatte eine Geldschwemme zur Folge. Und so wurde das Experiment von der Zentralbank kurzerhand beendet. Als die Mitteilung die Märkte überrascht erreichte, fiel daraufhin der Eurokurs um etwa 20 Prozent und zahlreiche Anleger verzeichneten so hohe Verluste, dass ihre Einlagen diese nicht mehr decken konnten. Somit war der Broker gezwungen, die Schulden zu übernehmen – dies überforderte unter anderem auch den britischen CFD- und Forex-Broker Alpari.

Der Broker war durchaus vorbereitet und löste beim Absturz des Kurses automatisch Positionen auf – allerdings gab es keine Käufer, und die Nachfrage stieg erst wieder an, als der Wert bei rund einem Euro pro Franken lag und es bereits zu spät war. Kritiker waren der Auffassung, das Unternehmen hätte das Risiko erkennen und beispielsweise durch geringere Hebel für das Währungspaar gegensteuern müssen. Auch ein entsprechendes Hedging hätte Alpari sicherlich geholfen. Schließlich kannten sie die offenen Positionen im Paar EUR/CHF.

6.) Folgen für Alpari UK Kunden

Themenicon Stopp-LossDie Kunden des Brokers hatten trotz der misslichen Lage Glück, da die Regulierung des Unternehmens durch die britische FCA erfolgte und EU-Richtlinien vorlagen. Zudem gehörte Alpari dem britischen Financial Services Compensation Scheme an, durch den Kundengelder im Notfall bis 50.000 Pfund abgesichert sind. Demnach wurden die Gelder der Kunden auf separaten Konten und getrennt von den Firmengeldern aufbewahrt – entsprechend konnten die Gläubiger nicht auf diese Einlagen zugreifen, sodass das Geld an die Kunden zurückgezahlt wurde.

Doch hier nochmal der Hinweis: Dies bezieht sich nur auf Gelder, die zum Zeitpunkt der Insolvenz nicht in CFDs investiert sind. Trader die selbst auf Long Positionen im Währungspaar EUR/CHF gesetzt haben, müssen unter Umständen sehr viel Geld im Rahmen der Nachschusspflicht nachschießen.

Was passiert mit offenen Trades?

Themenicon TippsTrader die bei Alpari UK in das Devisenpaar EUR/CHF long investiert haben, mussten wahrscheinlich die Erfahrung machen, dass der Broker die Positionen zwangsliquidiert hat, da die Margin und das Guthaben auf dem Konto nicht mehr ausreichte – je nach Größe des Hebels. Händler, die von davon nicht betroffen waren, allerdings in anderen Basiswerten investiert waren, müssen das Insolvenzverfahren abwarten.

Aus der vorhandenen Insolvenzmasse werden zunächst die vorrangigen Gläubiger bedient. CFD Trader gehören zu den nachrangigen Gläubigern. Also nur wenn noch Geld da ist, wird das auf die ehemaligen Kunden von Alpari UK verteilt.

7.) ETX Capital übernimmt Alpari UK Kunden

ETX Capital hatte -wie oben bereits erwähnt – später angekündigt, den Kundenstamm von Alpari UK zu übernehmen. Dabei haben sie den betroffenen Kunden folgendes Angebot gemacht:

  • Wahl, ob sie den standardisierten Administrationsprozess gehen wollen oder
  • Bis zu 30 Prozent des erwarteten Guthabens sofort bei ETX Capital zur Verfügung gestellt bekommen, dazu
  • Kundengelder (ausgegeben in US-Dollar) in eine Währung ihrer Wahl zu Marktkursen zu transferieren und
  • Im ersten Monat extra Rabatte bei ETX Capital erhalten, plus
  • Boni auf ihre Einzahlungen bei ETX Capital

Themenicon StrategieViele Kunden haben das Angebot des CFD Brokers ETX Capital angenommen. Nicht zuletzt wegen der sehr attraktiven Prämien und Rabatte. Außerdem konnte ETX Capital in dieser schwierigen Phase Gewinne erzielen. Offensichtlich arbeitet der Broker sehr solide und ist sich der Risiken klar bewusst. ETX Capital ist natürlich auch stolz darauf, denn die meisten Kunden haben sich für den CFD Broker entschieden, anstatt ihr frei gewordenes Kapital auszahlen zu lassen.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass ETX Capital mit Alpari UK nicht den ersten Broker übernommen hat, der in Schieflage geraten ist. Bereits 2013 erwarb das Unternehmen den Kundenstamm von Shelbourne Markets, dem bis dahin zweitgrößten CFD Broker in Irland. Das ist sicherlich auch eine interessante Geschäftsstrategie.

8.) ETX Capital – einer der führenden globalen Online-Broker

Themenicon KontaktDer britische Broker ETX Capital bedient den internationalen Privatkundenmarkt des Online-Handels. Trader haben die Möglichkeit, Forex- und CFD-Geschäfte über den weit verbreiteten MetaTrader 4 oder über die unternehmenseigene Handelsplattform abzuwickeln. Hierfür stehen den Kunden von ETX Capital diverse Basiswerte wie Währungen, Indizes, Rohstoffe und Aktien zur Verfügung.

Der Broker offeriert den Online-Handel seit 2002 und das Angebot umfasst mittlerweile mehr als 6.000 Handelsinstrumente, die auf 20 nationalen und internationalen Märkten verteilt sind. Neben dem Hauptgeschäftssitz in London mit 150 Mitarbeitern führt ETX Capital noch weitere Büros in anderen Ländern. Das Unternehmen wird durch die britische FCA reguliert und Kundengelder sind durch den Anschluss an das Financial Services Compensation Scheme bis zu einer Höhe von 50.000 Pfund je Kunde geschützt.

ETX Capital Homepage

Die Webseite von ETX Capital

9.) Fazit: Regulierte Broker sind ein Muss!

Themenicon ErfahrungsberichtDie Alpari-Pleite zeigte deutlich, dass Trader stets einen Broker wählen sollten, der die Einlagen der Kunden auf einem separaten Konto verwahrt und darüber hinaus einer Entschädigungseinrichtung angehört. Hierzu zählen sämtliche Broker aus der EU, doch längst nicht alle Unternehmen anderer Länder. Großbritannien hatte einen sehr guten Ruf, und die Turbulenzen um den Schweizer Franken unterstreichen nur mehr, dass es für Wertpapiergeschäfte keine einhundertprozentige Sicherheit gibt.

Auch müssen sich Trader bewusst sein, welche Risiken beim Handel mit CFDs existieren! Wie bereits erwähnt, muss der Händler im Extremfall Geld nachschießen. Dies kann man vermeiden, wenn man so genannten „garantierte Stopp Loss" nutzt – sofern vom Broker angeboten. Oder einen Brker wählt, der generell auf eine Nachschusspflicht verzichtet.

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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