Ende des Fracking-Booms?

Fracking steht seit jeher in der Kritik, inzwischen kann die Schiefergasförderung jedoch kaum noch wirtschaftlich Erfolge vorweisen. Stattdessen geraten die Förderunternehmen zunehmend unter finanziellen und politischen Druck. Verantwortlich dafür sind neben dem günstigen Ölpreis auch Umweltschäden und Fehlinvestitionen.

Fracking-Unternehmen können Druck nicht standhalten

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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fracking-699657_1280Seit dem Fracking-Boom hat sich der Ölpreis von 120 auf 60 Dollar halbiert. Je länger der Preisverfall beim Öl anhält, umso stärker geraten Fracking-Unternehmen unter Druck. Fracking gilt ohnehin als nicht besonders nachhaltige Investition: Die Fördermenge halbiert sich durchschnittlich bereits nach dem ersten Jahr. Fracking-Firmen müssen deswegen immer neue und tiefere Löcher bohren. Dabei scheinen sich viele Unternehmen verspekuliert zu haben: Dem Investitionsdruck begegneten sie teilweise mit Hochzinsanleihen.

Inzwischen kursieren Gerüchte, viele Unternehmen würden nur noch deswegen weiter Schieferöl fördern, um ihre Zinsen begleichen zu können. Lange Zeit wurde geschätzt, dass sich ein Großteil der Unternehmen selbst dann auf dem Markt halten könnte, wenn das Barrel Öl ein Jahr lang 50 Dollar kosten würde. Dass dies nicht der Fall ist, zeigt die Pleitewelle in den letzten Monaten. Mindestens ein Dutzend Unternehmen hat bereits Konkurs angemeldet, ein weiteres Dutzend konnte Anleihen nicht bedient oder Investoren gewarnt. Bereits im April hatte Standard & Poor’s drei Viertel der Förderfirmen als hoch riskant eingestuft.

Landbesitzer und Bevölkerung leiden unter den Folgen

Leidtragende der Entwicklung könnten vor allem die Landbesitzer sein, die den Firmen die Abbaurechte verkauft haben. Diese bleiben bei der Insolvenz der Unternehmen auf den Folgeschäden sitzen. Zurückgelassener Abfall und Ölverschmutzungen senken den Wert des Landes und müssen auf eigene Kosten beseitigt werden.

Doch durch das Fracking könnten noch weitere Schäden entstanden sein, die die Gesamtbevölkerung betreffen. Das texanische Dallas-Fort Worth ist durch eine Reihe von Erdbeben erschüttert worden. Exxon Mobil und EOG Resources hatten dort in der Vergangenheit Fracking betrieben und Injektionsbohrungen durchgeführt, um das dabei entstehende Abwasser zu entsorgen. Nun untersucht die Öl- und Gasaufsicht Texas, ob Erdbeben und Fracking in einem Zusammenhang stehen. Zuletzt hatten immer mehr wissenschaftliche Studien den Verdacht nahegelegt, dass die Entsorgungsbohrungen eine Zunahme der seismischen Aktivität begünstigt haben. Vor allem eine Studie der Southern Methodist University (SMU) in Dallas bringt die Abwasserentsorgung der Exxon Mobil-Tochter XTO Energy mit einer Reihe von Erdbeben um den Jahreswechsel 2013/2014 in Verbindung. Durch die Injektion von Abwasser und dem Fluss von Salzwasser an die Oberfläche entstehen Druckveränderungen, die eine längst inaktive Verwerfungslinie wieder aktiviert haben könnte.

Auch wenn die Energiebranche verständlicherweise versucht, sich gegen die Vorwürfe zu wehren und die Studien zu diskreditieren, finden sie auch auf der Seite der Verantwortlichen Unterstützer. Der Vorstandsvorsitzende von ConocoPhillips Ryan Lance stützt die These, dass Abwasser seismische Vorkommnisse auslöst. Die Daten, die sein Unternehmen gesammelt hat, deutet ebenfalls auf eine Verbindung hin. Die Folgen könnten auch für die Fracking-Firmen bedeutsam sein. Eines der jüngsten Erdbeben südlich von Dallas führte dazu, dass insgesamt fünf Abwasserbohrungen stillgelegt und überprüft werden mussten.

Fracking-Gesetz möglicherweise verfassungswidrig

Unterdessen wurde in Deutschland das umstrittene Fracking-Gesetz verabschiedet. Dieses könnte jedoch gegen die Verfassung verstoßen. Grund hierfür ist die vorgesehene externe Expertenkommission mit Entscheidungskompetenzen. Diese soll nach der Erprobungsphase ab 2019 entscheiden, ob die Erlaubnis für das Fracking großflächig zu kommerziellen Zwecken ausgebaut wird. In letzter Instanz muss diese Entscheidung jedoch laut Verfassung von staatlichen Akteuren getroffen werden. Diesen Kritikpunkt hat die Bundesregierung jedoch bereits entkräftet, in dem sie darauf hinwies, dass das Votum der Kommission von den Landesbehörden übernommen werden kann, jedoch nicht muss. Dennoch bleibt dem sechsköpfigen Expertenteam die Entscheidung darüber, ob Fracking auch oberhalb von 3.000 Metern erlaubt werden darf.

Viele Umweltschützer hoffen, dass die Fracking-Versuche in Deutschland ohnehin ähnlich erfolglos verlaufen wie im Nachbarland Polen. Hier hatte das US-Unternehmen ConocoPhillips jüngst angekündigt, Bohrungen einzustellen, da sie nicht wirtschaftlich genug sein. Trotz Investitionen von mehr als 220 Millionen US-Dollar konnten keine kommerziellen Mengen an Erdgas finden. Der polnische Premierminister Donald Tusk hatte das Projekt vorangetrieben, um eine größere Unabhängigkeit der russischen Energieversorgung zu erreichen – eines der Argumente, die auch in Deutschland spätestens seit der Ukraine-Krise immer wieder genannt werden. Für US-Unternehmen ist dies allerdings nicht die erste Pleite in Europa. Zuvor hatten sich Chevron, Exxon Mobil, Marathon Oil und ConocoPhillips bereits aus Rumänien zurückziehen müssen. Die polnischen Felder werden nun von einheimischen Unternehmen übernommen, die im Staatsauftrag handeln. Dass diese bessere wirtschaftliche Erfolge verkünden können, gilt nicht als wahrscheinlich.

Wo und ob sich Fracking in Deutschland lohnen könnte, ist derzeit noch unklar. Potential soll um Hannover, im Oberrheingraben, im süddeutschen Molassebecken und im Bereich der Inseln Hiddensee, Rügen und Usedom bestehen. Bislang wurden erste Testbohrungen lediglich in Niedersachsen durchgeführt. In welchem Umfang und mit welchem Ergebnis diese durchgeführt wurden, ist bislang jedoch noch nicht bekannt. In Deutschland haben bislang vor allem die Firmen Exxon Mobil, Queensland Gas, Wintershall Holding, BNKL Petroleum die Erlaubnis für Probebohrungen gesichert.

Bildquelle: Pixabay

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