Edeka kämpft um Kaiser’s Tengelmann


Vor einigen Wochen bat Edeka beim Wirtschaftsministerium um die Erlaubnis, den Konkurrenten Tengelmann zu übernehmen, gebeten. Doch die Entscheidung von Wirtschaftsminister Gabriel lässt auf sich warten. Das Bundeskartellamt hatte zuvor eine Übernahme abgelehnt. Diese Absagen nimmt Edeka nicht hin. Derzeit versucht die Handelskette, mit einer Ergänzung des Kaufvertrags mit Betriebsvereinbarungen die Übernahme doch noch möglich zu machen.

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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1. Betriebsvereinbarungen sollen befolgt werden

02.09.2015_Empfang

Edeka-Zentrale in Hamburg , Quelle: Presse Edeka

Edeka stimmt nun zu, die Vereinbarungen von Tengelmann zum Arbeitsplatzerhalt zu befolgen und diese ergänzend in den Kaufvertrag aufzunehmen. Edeka-Chef Markus Mosa sagte dem Handelsblatt: „Wir tragen die Vereinbarungen voll mit. Das haben wir vertraglich für den Betriebsrat abgesichert". Mosa betonte, dass man auch nach der Übernahme Garantien für die Arbeitsplätze übernehmen werde. Vorausgegangen war eine Betriebsvereinbarung zwischen dem Betriebsrat und der Geschäftsführung von Tengelmann für Berlin und Nordrhein-Westfalen. Allerdings ist in Nordrhein-Westfalen nur für 80 Prozent der Belegschaft eine Arbeitsplatzgarantie vorgesehen, die auch nur 18 Monate lang gültig sein soll. Die Betriebsräte aus München hatten sich nicht an den Verhandlungen beteiligt, könnten die Vereinbarung allerdings übernehmen. Auch Filialschließungen sind bis zur endgültigen Übernahme noch geplant.

In Berlin soll die Beschäftigungsgarantie mindestens zwei Jahre gelten. In Nordrhein-Westfalen sind Abfindungen für Mitarbeiter, die entlassen werden, geplant. Zudem soll eine interne Stellenbörse und eine Transfergesellschaft geschaffen werden. Die Folgen des Personalabbaus sollen so minimiert werden. Gerade in Nordrhein-Westfalen sollen aber noch vor der Übernahme Edeka-Filialen geschlossen werden. So will Edeka unter anderem das Lager in Viersen nicht mehr von weiter betreiben. Auch die regionale Verwaltung ist betroffen.

Mit dieser Maßnahme wollen Edeka-Chef Mosa und Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub sicher auch bei Sigmar Gabriel für die Übernahme von Tengelmann werben. Dennoch ist die Genehmigung für eine Übernahme von höchster Stelle bislang sehr unwahrscheinlich. Aber die endgültige Entscheidung von Sigmar Gabriel steht noch aus.

2. 8.000 Arbeitsplätze in Gefahr

Themenicon TippsNach dem Veto des Bundeskartellamts zur Fusion der Handelsketten begründeten beide Parteien ihren Antrag auf Ministererlaubnis unter anderem mit dem Schutz von Arbeitsplätzen. Wenn die Übernahme scheitern sollte, würden nicht nur rund 8.000 Arbeitsplätze verloren gehen, sondern auch ein großer wirtschaftlicher Schaden entstehen.

Doch es gilt als unwahrscheinlich, dass dieses Argument Sigmar Gabriel überzeugt. Die eingeschaltete der Monopolkommission hat in ihrem Gutachten bereits klargestellt, dass sie von dieser Argumentation nicht überzeugt sind. Auch wenn Edeka Tengelmann übernimmt, sind Restrukturierungen notwendig, die einen Personalabbau zur Folge haben werden. Die Monopolkommission plädiert für eine Aufteilung der Filialen unter mehreren Unternehmen.

Wen Tengelmann jedoch unter mehreren Einzelunternehmen aufgeteilt würde, ist für die neuen Verantwortlichen die Jobgarantie nicht bindend. Dies ist für Edeka-Chef Mosa die Bestätigung, dass Gabriel nicht bei seiner ablehnenden Haltung bleiben sollte. So soll sicher auch Druck auf das Wirtschaftsministerium aufgebaut werden. Derzeit ist eine Entscheidung aber in weite Ferne gerückt. Es stehen noch Stellungnahmen der betroffenen Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Bayern, Berlin und Hamburg, wo sich der Sitz von Edeka befindet, aus. Außerdem muss eine Anhörung stattfinden. Für diese gibt es jedoch noch keinen Termin.

3. Plan B für Tengelmann

Themenicon OptionsscheineSollte die Übernahme durch Edeka scheitern, ist ein Verkauf an mehrere Einzelunternehmen denkbar. Dafür bringen sich schon seit einiger Zeit verschiedene Interessenten in Stellung. Vor allem das Interesse von Rewe an den Edeka-Filialen ist schon länger bekannt. In Interviews und sogar in Werbeanzeigen machte der Kölner Konzern sein Interesse deutlich. Rewe sieht in den aktuellen Vereinbarungen den Beweis, dass auch eine Erlaubnis aus dem Wirtschaftsministerium einen Stellenabbau nicht verhindern wird. Rewe würde nach eigenen Aussagen alle Mitarbeiter übernehmen. Rewe-Chef Alain Caparros sagte: „Mit dieser Vereinbarung lässt Herr Haub endlich die Katze aus dem Sack". Er warf Haub vor, dass Edeka den Erhalt von 16.000 Arbeitsplätzen nur vorgegaukelt hätte, sondern massive Stellenstreichungen das Ziel von Edeka seinen.

Eine Gesamtübernahme aller Filialen durch Rewe würde das Kartellamt aber wohl ebenfalls ablehnen. Auch das hessische Handelsunternehmen Tegut zeigt Interesse an Tengelmann. Vor allem die bayrischen Filialen hat man im Blick. Im hohen Norden hat die Handelsgruppe Coop schon länger ein Auge auf die Berliner Filialen geworfen. Das Kieler Unternehmen kann sich vorstellen, dort weitere Sky-Märkte zu eröffnen.

Von Zeit zu Zeit gibt es Spekulationen, dass sich Finanzinvestoren an eine Komplettübernahme heranwagen wollen, die Filialen sanieren und dann verkaufen wollen. Doch bislang hat kein Investor dazu Stellung genommen. Am Wahrscheinlichsten ist eine Zerschlagung an mehrere Kandidaten. Coop könnte gute Chancen haben. 2014 machte das Unternehmen mit seinen 5.000 Mitarbeitern 1,4 Milliarden Euro Umsatz – ein Leichtgewicht im Lebensmittelhandel. Für Coop und Tegut wäre die Übernahme einzelner Tengelmann-Filialen ein absoluter Wachstumssprung und ein großer Fortschritt. Für die Behörden könnte dies eine Alternative abseits von den Lebensmittelriesen Edeka und Rewe sein.


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