E.on muss Gewinneinbruch verkraften

Deutschlands größter Energieversorger E.on steckt weiter in der Krise. Im ersten Halbjahr 2015 sank der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund ein Fünftel auf 1,17 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr geht der Konzern von einem Gewinn zwischen 1,4 und 1,8 Milliarden Euro aus und hält somit trotz des schlechten Ergebnisses an der ursprünglichen Prognose fest. Auch die Aufspaltung verläuft wie geplant.

Energiebranche steckt in Schwierigkeiten
Christian Habeck

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Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Beim Umsatz konnte der Konzern jedoch ein Plus von 57,3 Prozent auf 57,3 Milliarden Euro verbuchen. Verantwortlich für den Gewinneinbruch ist nach Aussagen E.on die weiter gesunkenen Stromhandelspreise, der niedrige Ölpreis und der schwache Rubel. Konzernchef Teyssen kritisierte zudem die politischen Unsicherheiten bei der Energieerzeugung und forderte einen verlässlichen Rahmen. Ein klares Regelwerk, das beispielsweise Gaskraftwerke eine längerfristige wirtschaftliche Perspektive geben würde, fehle bislang, obwohl diese in ihrer Rolle als effizienter und klimaschonender Absicherungsleistung nicht überschätzt werden könnten. Das Eckpunktepapier wäre zwar ein erfreulicher Schritt in die richtige Richtung, es würden jedoch notwendige Maßnahmen fehlen.

Dass E.on trotz der Schwierigkeiten an der Gewinnprognose festhält, gründet sich auch auf mehrere Investitionen, die der Konzern noch in diesem Jahr nutzen können wird. So sollen zwei moderne Kohlekraftwerke in Russland und den Niederlanden in Betrieb gehen. Zudem geht unter anderem der Windpark Amrumbank West in der Nordsee bald ans Netz. Dennoch bleibt die Lage für Stromversorger aufgrund der geringen Stromhandelspreise kritisch. E.on konzentriert sich deswegen verstärkt auf den Vertrieb.

Aufspaltung läuft nach Plan

Dr. Johannes Teyssen Vorsitzender des Vorstands und Chief Executive Officer der E.ON SE

Dr. Johannes Teyssen Vorsitzender des Vorstands und Chief Executive Officer der E.ON SE , Quelle: Eon

Unterdessen arbeitet der Konzern fieberhaft an der Abspaltung der konventionellen Energiegewinnung. Eine neue Gesellschaft namens Uniper mit rund 20.000 Mitarbeitern und Sitz in Düsseldorf soll sich in Zukunft der Stromerzeugung aus Atom, Kohle und Gas widmen, die Kernmarke E.on soll hingegen zukünftig die Sparten erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen übernehmen. E.on wird über knapp 60.000 Beschäftigte verfügen und von Essen aus operieren.

Der Konzern verkündetet am Mittwoch, die Aufspaltung laufe „wie geplant“. Bislang seien die Organisationsformen der beiden zukünftigen Unternehmen strukturiert und bereits die beiden Ebenen unterhalb des Vorstandes mit Führungskräften besetzt. Nun müssten Teams aufgebaut und externe Stellen eingebunden werden. Insgesamt muss der Konzern rund 4.000 Einzelmaßnahmen abarbeiten, ein Drittel konnte E.on seit der Entscheidung Ende 2014 bereits umsetzen.

Nach Konzernchef Teyssen wirke sich die Aufspaltung nicht auf die Rückstellungen für Atom-Altlasten aus. Uniper werde hingegen so aufgestellt, dass es die Verpflichtungen vollständig erfüllen kann. E.on hatte erst Ende 2014 16,6 Milliarden Euro für Atomverpflichtungen in den Bilanzen zurückgestellt.

E.on trennt sich von südeuropäischen Kraftwerken

Zudem hat E.on in der letzten Woche seine italienischen Wasserkraftwerke abgestoßen. Der mit 32 Milliarden Euro verschuldete Konzern konnte damit rund eine Milliarde Euro erzielen. Der Verkauf an den Ökostromkonzern ERG soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Nachdem E.on vor einigen Jahren verstärkt in Südeuropa investiert hatte, zieht er sich dort zunehmend aus dem Geschäft zurück. Nachdem das Unternehmen für rund 11,5 Milliarden Euro Versorger und Kraftwerke erworben hatte, schrumpfte die Stromnachfrage im Zuge der Weltwirtschaftskrise, sodass E.on auf die Investitionen mehr als die Hälfte der Summe abschreiben musste. Bereits Anfang des Jahres verkaufte er Kohle- und Gaskraftwerke und das Solargeschäft. Den Verkäufen vorausgegangen war der Rückzug aus Spanien und Portugal. Das Vertriebsgeschäft mit Strom und Gas will der Energieriese jedoch entgegen früheren Überlegungen erhalten. Derzeit versorgt E.on rund 700.000 italienische Kunden. Zudem plant das Unternehmen, das Geschäft mit dezentralen Energieanlagen weiter auszubauen.

Auch RWE bereitet Umbau vor

Auch RWE zieht unterdessen eine Aufspaltung in Erwägung. Der E.on-Rivale steckt in einer der größten Krisen seit Unternehmensgründung. Die ersten Umbaumaßnahmen wurden bereits veranlasst. Der Aufsichtsrat entschied sich erst am Montag dafür, die Unternehmensstruktur deutlich zu vereinfachen. Die REW AG soll so „schneller und wendiger“ sein. Die Veränderungen des Energiemarktes machten dies erforderlich. Bereits seit mehreren Jahren fallen die Strom-Großhandelspreise. Bereits 2017/2018 könnte RWE in die Verlustzone gleiten. Bis dahin soll auch das neue Konzept umgesetzt werden.

Im Zuge des Umbaus wird zudem der der Vorstand von vier auf sieben Mitglieder erweitert. Stromnetze, Vertrieb, Ökostromsparte und Kohle,- Gas- und Atomkraftwerke erhalten dann einen eigenen Vertreter im Vorstand. Zudem soll die Anzahl der Teilgesellschaften reduziert werden und die operative Führung stärker in die Zentrale integriert werden. Vorstandschef Peter Terium erhofft sich davon Einsparungen in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags. Ein deutlicher Arbeitsplatzabbau ist jedoch nicht das Ziel der Umstrukturierung. Vielmehr sollen die Anzahl der GmbHs, Aktiengesellschaften und Aufsichtsratgremien deutlich reduziert werden. Auf diese Weise sollen Entscheidungen beschleunigt und der bürokratische Aufwand verringert werden.

Auch wenn eine Aufspaltung infrage kommt, sei sie derzeit nicht das Ziel. Vorstandschef Peter Terium will den Konzern hingegen „entlang der gesamten Wertschöpfungskette“ erhalten. Eine Abspaltung nach Vorbild von Konkurrent E.on sei dennoch jederzeit möglich, wenn sich die politischen und wirtschaftlichen Umstände weiter verschlechtern sollten. Supply & Trading, der Ökostrombereich Innogy und die Erzeugungssparte sollen derzeit als eigenständige Gesellschaften erhalten bleiben. Eine gemeinsame Abspaltung wäre damit jederzeit möglich und wird durch die Umstrukturierung erleichert.


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