Der Handel mit Divergenzen

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Ein Traum: Schneller zu sein als der Markt

Erfolgreicher Börsenhandel hat etwas damit zu tun, dass man eine Marktsituation schneller erkennt als andere Marktteilnehmer, und daraus eine korrekte Prognose erstellt. Solche Situationen entstehen, wenn man zum Beispiel Divergenzen in einem Kurs-Chart entdeckt.

Divergenzen sind nichts anders als Abweichungen zwischen dem Kursverlauf und dem Verlauf eines Indikators. Die häufigsten Indikatoren für Divergenzanalysen sind der RSI, der CCI, die Stochastik und der MACD. Erstaunlicherweise sind es also die Standardindikatoren der Technischen Analyse die zur Anwendung kommen. Offensichtlich nimmt man als Trader an, dass ein Indikator eher „recht hat“ als der Kursverlauf. Fakt ist, dass ein Indikator immer nur eine mathematische Formel ist, um den Kurszufall herauszufiltern. Deshalb kann ein Indikator niemals ein Vorläufer den Kurs sein.

Über das Momentum zur Divergenz

Bei der Divergenzanalyse geht es nicht um den Kurs, sondern um den Kursschwung. In diesem Zusammenhang ist der Indikator auch nicht schneller als der Kurs, doch der Indikator zeigt die Divergenz optisch besser an. Sie springt ihm förmlich ins Auge springt.

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Bild 1: DAX-Tages-Chart: Eine bullishe Divergenz zwischen Kursverlauf und RSI-Indikator

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Bild 2: Eine bearishe Divergenz zwischen Kursverlauf und RSI-Indikator

Was genau ist das Momentum?

Das Momentum entsteht aus einer Differenz zwischen zwei Werten. Nimmt man zum Beispiel den RSI(14), dann wird der RSI-Wert vor 14 Tagen mit dem aktuellen RSI-Wert verglichen. Für die konkrete Berechnung des RSI wird die Relation aus Aufwärtsbewegungen und Abwärtsbewegungen im definierten Zeitraum gebildet. Damit steht die Richtung des RSI analog zur Kursrichtung und die Steigung des RSI ist ein Hinweis auf das Momentum. Angenommen der Kurs würde sich nicht mehr bewegen und für einen längeren Zeitraum unverändert bleiben, dann nimmt der RSI eine waagerechte Linie beim RSI-Wert 50 ein.

Konstruktionsbedingt gibt es wahrscheinlich keinen besseren Divergenz-Indikator als den RSI, denn er zeigt die relative Stärke der Aufwärts- zu den Abwärtsbewegungen. Trotzdem sollte man nicht jede Divergenz beim RSI handeln. Jede Divergenz sollte nicht gleich bewertet werden, denn es gibt eine große Variationsbreite an schwächeren oder stärkeren Divergenzen.

Eine hohe Wirkung entfaltet eine Divergenz, wenn sie mit der klassischen Chart-Technik verknüpft wird. Trifft die Divergenz also auf Unterstützungen, Widerstände, Trendlinien oder Kursformationen wie zum Beispiel Flaggen und Wimpel, dann wird automatisch die Zuverlässigkeit der Divergenz erhöht.

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Bild 3: Tages-Chart des DAX
In einem Chart-Bild gibt es meist mehrere Divergenzen zu entdecken. In diesem Beispiel kann man die Divergenzen mit waagerechten Widerständen und Unterstützungen verbinden.

Konkrete Analyse der verschiedenen Divergenz-Situationen

Wie sind die Divergenzen in Bild 3 zu beurteilen? Der Punkt 1 betrifft eine bearishe Divergenz, die vom RSI erkannt wird. Die horizontale Linie im Kursverlauf wird durchbrochen, und der Kurs läuft noch ein weiteres Stück höher. Aber auch beim zweiten Gipfel entsteht erneut eine bearishe Divergenz. Warum die erste bearishe Divergenz keine Wirkung zeigte, lässt sich am Wertniveau des RSI erklären. Am Ende des Jahres 2013 ist der zweite Gipfel des RSI etwas niedriger, doch er erreicht immerhin den hohen RSI-Wert von 70. Dass die bearishe Divergenz optisch deutlich ausfällt, liegt am extrem hohen RSI-Wert von 80 (am 29.11.13). Die eigentliche Wirkung der bearishen Divergenz kann sich deshalb erst etwas später entfalten. Die erste Divergenz ist also ein Fehlsignal.

Am 15.01.14 bildet sich wieder ein Gipfel und dabei kann der Widerstand kaum durchdrungen werden. In der Folge gibt es eine Rückholbewegung, die zum Punkt 2 führt.

Am Punkt 2 fällt der RSI sehr tief auf den Wert von 33. Und das RSI-Tief ist niedriger als das Tief zuvor. Der Vergleich mit dem Kursverlauf zeigt, dass der Kurs nicht einmal die Unterstützung erreicht. Wegen des niedrigen RSI ist die Situation trotzdem bearish zu beurteilen. Das Abwärtsmomentum ist in dieser Welle hoch. Die anschließende Aufwärtsbewegung bis Ende Februar steigt gut an, doch sie erreicht kein neues Hoch mehr. Danach startet die Abwärtswelle zum Punkt 3. Als der Kurs auf die Unterstützung prallt, konnte der RSI kein tieferes Tief erreichen. Das ist nur eine leichte bullishe Divergenz, danach entfaltet sich mit der Kombination einer Unterstützungslinie eine starke Aufwärtsbewegung.

Das Ergebnis: Die erste bearishe Divergenz zeigte der RSI falsch an, und die weiteren alle richtig. Genau so ist Trading, man kann nicht immer richtig liegen, doch die Wahrscheinlichkeiten sollte auf der Seite des Traders liegen.

Beachten Sie einige Grundregeln bei Divergenzen

Bevor Sie auf die Jagd nach Divergenzen gehen, ist es ratsam, ein paar Dinge zu beachten. Der Handel mit Divergenzen ist ein sehr erfolgreiches Konzept, deshalb achten viele Trader auf Divergenz-Signale. Für institutionelle Marktteilnehmer sind vorhersehbare Marktbewegungen immer eine Chance zum Gewinn. Die Großen suchen stets Gelegenheiten, in denen sie ihr großes Kapital unterbringen können. Und manchmal handeln sie auch entgegensetzt zum Muster, wenn damit ihre langfristigen Ziele erreicht werden. Die Folge daraus sind Fehlsignale des Musters.

  • Die wichtigste Regel bei Divergenzen lautet, dass man nur Divergenzen handeln sollte, die eindeutig sind. Nur eine klar erkennbare Divergenz ist eine gute Divergenz. Wenn man mehrfach nach der Divergenz suchen muss, dann ist es besser, die Finger davon lassen.
  • Prüfen Sie den zeitlichen Umfang der Divergenz. Sind die Kursbewegungen noch miteinander verknüpft. Eine Divergenz, die eine Zeitspanne von 6 Monaten hat, verliert oft ihre Wirkung.
  • Eine Divergenz verstärkt sich, wenn die Divergenz in unterschiedliche Zeitrahmen auftritt. Eine Divergenz auf Wochen- und Tagesbasis ist besser, als wenn sie nur auf Tagesbasis erkennbar ist.
  • Eine Divergenz verstärkt sich, wenn auch andere Indikatoren das gleiche Signal anzeigen. So werden auch mehr Marktteilnehmer darauf aufmerksam, und es tritt eine sich selbsterfüllende Prophezeiung ein.

Ein letzter Divergenz-Tipp

Eine Divergenz ist eines der besten Handelssignale, dass die Technischen Analyse zu bieten hat. Trotzdem müssen Sie mit Fehlsignalen rechnen. Überlegen Sie deshalb, wie Sie aus dem Trade wieder aussteigen – sowohl im Fall des Gewinns, als auch im Verlustfall.

 

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