Daimler erhält Zulassung für selbstfahrende LKW

Auf den Straßen Nevadas dürfen sie bereits unterwegs sein: Daimler testet die ersten selbst fahrenden Lastwagen im öffentlichen Straßenverkehr der USA. Nach 16.000 Testkilometern auf abgesperrter Strecke sind zwei LKWs des Autobauers nun auch auf den Highways des Wüstenstaates unterwegs. Bereits 2025 soll die Serienreife erreicht sein.

Zwei Lkws für öffentlichen Straßenverkehr zugelassen

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Zwei LKW sind bereits zugelassen

Zwei LKW sind bereits zugelassen , Quelle:Pixabay

Die erste Teststrecke absolvierte einer der LKWs bereits auf dem US-Highway 15 in Las Vegas. Als Entwickler zeigt sich der LKW-Hersteller Freightliner verantwortlich, der zur Daimler Trucks North America gehört. An Bord des „Freightliner Inspiration Truck befindet sich ein intelligentes System, das über Stereokameras sowie Radarsensoren mit Spurhalte- und Kollisionsprävention verfügt und alle wesentlichen Funktionen kontrollieren kann. Dabei bleibt der Autopilot jedoch jederzeit durch den Fahrer übersteuerbar und kann manuell deaktiviert werden. Auch Überholmanöver führt das System nicht von alleine aus. Der Highway Pilot regelt jedoch bereits jetzt die Geschwindigkeit, bremst und lenkt. Für Spurwechsel und das Verlassen des Highways ist der Fahrer ebenfalls noch notwendig.

Das Highway Pilot System wurde bereits im Juli 2014 im Mercedes Future Truck 2025 vorgestellt und für den Einsatz auf US-amerikanischen Highways angepasst. Die US-Gesetze für autonome Fahrten gelten als wesentlich lockerer als in der EU. Vor allem Nevada und Kalifornien gelten zudem als außerordentlich bemüht, Entwickler von autonomen Lastwagen möglichst viele Freiheiten zu zugestehen. Das liegt auch daran, dass der Lkw in den USA immer noch eines der wichtigsten Transportmittel ist. Rund 70 Prozent aller Güter wurden dort 2012 mit Lastwagen transportiert. Dementsprechend wichtig nehmen Politiker die Entwicklung von neuen Technologien in einer der bedeutendsten Branchen der USA. So überrascht es wenig, dass das US-Energieministerium die Entwicklung des SuperTruck mit rund 40 Millionen US-Dollar unterstützte. Ziel des US-Energieministeriums ist es, die Transporteffizienz bei Lastkraftwagen der US-Klasse 8 um 50 Prozent zu steigern.

Energieeffizient und hochmodern

Selbst fahrende LKWs gelten ohnehin als energiesparend. Bereits frühere Testreihen hatten ergeben, dass sich der Energieverbrauch durch den intelligenten Einsatz von autonomen Fahrzeugen um bis zu zehn Prozent verringern lässt. Obwohl dies bislang jedoch vor allem für Kolonnen wie dem EU-Projekt Sartre galt, das vom Daimler-Konkurrenten VW durchgeführt wurde, überzeugen auch die Werte des SuperTruck. Die Transporteffizienz lässt sich nach den Studienergebnissen um 115 Prozent gemessen in Tonnenmeile pro Gallone gegenüber einem Vergleichs-Lkw mit Erstzulassung von 2009 steigern. Durchschnittlich verbraucht der SuperTruck auf Testfahrten bislang durchschnittlich 19 Liter auf 100 Kilometer bei 29,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht und einer Geschwindigkeit von rund 100 km/h. Um den Verbrauch weiter abzusenken, trägt der SuperTruck zudem Solarzellen auf dem Hängerdach, die zusätzlich Energie gewinnen.

Dass der SuperTruck eine Sonderstellung genießt, wird auch optisch sichtbar. Zwar basiert der Freightliner Inspiration Truck auf dem US-Serienmodell Freightliner Cascadia, allerdings grenzt der Hersteller die zugelassenen Modelle mit Autopilot deutlich ab. Die Motorhaube wurde neu gestaltet und überdeckt den Kühlergrill. Die Türverkleidungen wurden an den Verlauf der Front angepasst. Die Seitenverkleidungen wurden neu gestaltet und binden nun eine Einheit mit der Motorhaube und den aerodynamischen Radverkleidungen. An der Außenbeleuchtung erkennen Verkehrsteilnehmer zudem, in welchem Modus sich der SuperTruck befindet: Kennzeichen, Kühlergrill und anzeigen leuchten blau, wenn der Autopilot eingeschaltet ist. Im Normalbetrieb leuchten sie hingegen weiß und gelb. Die Halogen-Beleuchtung und der Boden in Holz-Optik im Inneren verbreiten eine wohnliche Atmosphäre. Wie genau das Interieur zukünftig gestaltet werden wird, ist jedoch noch offen. Die großen Sitzbänke wurden speziell für die Vorstellung des Freightliner Inspiration Truck entworfen und werden mit großer Wahrscheinlichkeit nicht Teil der späteren Einrichtung sein.

Lkw-Fahrer nicht ersetzbar

Mittel- bis langfristig werden Lkw-Fahrer jedoch nicht um ihren Job bangen müssen. Selbst wenn sich selbst fahrende Lkws durchsetzen können, betrifft dies hauptsächlich die Fahrt auf der Autobahn. Ziel des Autopiloten ist dort die Entlastung des Fahrers sowie die Erhöhung der Sicherheit und Energieeffizienz. Einer der häufigsten Gründe für Verkehrsunfälle gilt menschliches Versagen. Die Beratungsfirma Roland Berger hat ermittelt, dass rund 70 Prozent aller Auffahrunfälle durch Lkws durch automatisierte Fahrsicherheits-Kontrollsysteme vermieden werden können. Obwohl autonomes Fahren laut Studien die Unfallgefahr erheblich senkt, ist die Akzeptanz in der Bevölkerung jedoch nicht vollständig gegeben. Eine Garantie für Sicherheit gibt es auch durch Autopiloten nicht und Computern werden Fehler weniger schnell verziehen.

Test in Deutschland geplant

Abseits der Autobahn wird es jedoch lange dauern, bis ein Lkw-Fahrer von einem System ersetzt werden kann. Dass ein Lkw völlig ohne Fahrer fährt, ist auch durch die beeindruckende Weiterentwicklung des Autopiloten bislang nicht geplant. In Deutschland werden vergleichbare Tests jedoch noch dadurch erschwert, dass der Straßenverkehr an die Wiener Konvention gebunden ist. Diese sieht bislang vor, dass der Fahrer jederzeit die Kontrolle über das Fahrzeug behält. Eine Überarbeitung scheint jedoch dringender zu werden. Daimler hat zudem als nächstes Ziel ausgegeben, die Technik in Deutschland zu testen und bereitet den Start für eine Testreihe vor. Bereits im vergangenen Sommer hatte das Unternehmen einen autonomen Lkw auf einem abgesperrten Teilstück der A 14 bei Magdeburg getestet.

Bildquelle: Pixabay

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