Folgen des Börsencrashs in China

Wen trafen die Turbulenzen in China besonders? Derzeit fürchten vor allem die deutschen Autobauer um ihre Chancen auf dem chinesischen Wachstumsmarkt. Über einen langen Zeitraum waren die Meldungen aus China überaus positiv. Doch nun folgt der Einbruch – und dieser könnte heftiger sein, als gedacht.

Chinas Konjunktur schwächelt und auch in anderen wichtigen Schwellenländern schrumpft die Wirtschaft. Schon länger gab es eine Krise auf den Automärkten in Russland und Brasilien. Und nun kommt Asien dazu. Im zweiten Quartal 2015 sank der Absatz der deutschen Autohersteller in China um sechs Prozent. Die Unternehmensberatung Ey führte kürzlich eine Untersuchung dazu durch.

Sorgenkind China

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Immer mehr wird China zum Sorgenkind für die Automobilindustrie. Über Jahre waren die Autokonzerne auf der Überholspur und werden nun jäh ausgebremst. Dazu kommt eine starke Abhängigkeit vom chinesischen Markt, die sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Erste Experten wie Helmut Becker von ntv.de sagen, dass gerade die Premium-Hersteller mit ihren hohen Preisen äußerst hart betroffen sind. Gerade sie treffen die Verluste an den Börsen und die Turbulenzen in China.

Die Abwertung des Yuan und der allgemeine „Abwertungswettlauf“ der asiatischen Währungen im Vergleich zum Euro bedeuten ein Ende des sogenannten „windfall-profits“ für die deutschen Autohersteller. Dazu kommen gerade mehrere entscheidende Faktoren zusammen: sinkender Absatz und weniger Erlöse pro Stück.

Korrektur erwartet

Autohersteller erwarten Korrektur am Absatzmarkt

Autohersteller erwarten Korrektur am Absatzmarkt

Viele Hersteller hatten bereits eine Normalisierung der Absatzahlen im Reich der Mitte erwartet. Das dieser jedoch derart heftig ausfällt, war nicht erwartet worden. China war ein zentraler Markt für die Hersteller. In Russland und Brasilien, die ebenfalls als Märkte der Zukunft gelten, waren die Absatzahlen bisher eher überschaubar. Anders, als in China. Die Wachstumsraten waren enorm. Den Verantwortlichen war schon lange klar, dass die sehr positiven Zahlen nicht immer so bleiben werden. China werde sich immer mehr zu einem normalen Automarkt entwickeln. Die Branche war also schon auf eine Normalisierung eingestellt, wurde von der aktuellen Heftigkeit des Einbruchs aber überrascht.

So hat beispielsweise Volkswagen im zweiten Quartal 2015 36 Prozent seiner VWs in China verkauft, BMW 20 Prozent und Daimler immerhin 16 Prozent. Bisher waren die Auswirkungen gering. VW, BMW und Daimler machten gemeinsam 15 Prozent mehr Gewinn. Der Hauptgrund dafür liegt aber im schwachen Euro. Einnahmen außerhalb der Eurozone werden in Euro umgerechnet und damit aufgewertet. Als Folge stiegen die Erlöse.

Reichster Chinese verliert Milliarden

Persönlich schwer traf die Krise der vergangenen Tage die beiden reichsten Chinesen. Beide sind nun auf einen Schlag um Milliarden ärmer. Der Börsencrash in China vernichtete schon in den letzten Wochen Unsummen. Allein an den vergangenen vier Handelstagen sank der chinesische Leitindex Shanghai Composite um 22 Prozent und vernichtete dabei mehr als eine Billion Dollar. Dabei haben einzelne Aktionäre sehr viel Geld verloren.

Wang Jianlin, der Gründer des Immobilien- und Unterhaltungskonzerns Dalian Wanda, verlor allein am Montag 3,6 Milliarden Dollar! Sein Vermögen sank damit an nur einem Tag um zehn Prozent. Der Finanzdienstleister Bloomberg berechnet täglich einen Milliardärsindex, aus dem diese Zahlen nun hervor gingen. Wang ist aber auch jetzt nicht arm. Sein Vermögen wuchs allein in diesem Jahr um sechs Milliarden Dollar.

Da der chinesische Leitindex Shanghai Composite am Montag 8,5 Prozent im Minus lag, wurden alle Kursgewinne des Jahres schlagartig vernichtet. Dies traf auch den zweitreichsten Chinesen Jack Ma. Ma ist der Gründer des „chinesischen Amazon“ Alibaba. Er verlor am Montag 545 Millionen Dollar. Und auch Bill Gates ist um 3,2 Milliarden Dollar ärmer. Warren Buffett und Mark Zuckerberg mussten ebenfalls Milliarden abschreiben.

Schon in der letzten Woche hatten die 400 reichsten Menschen der Welt zusammen über 182 Milliarden Dollar verloren. Dies waren die größten Verluste seit September 2014. Damals begann Bloomberg mit der Aufzeichnung der Daten. Allein am vergangenen Freitag sank das Vermögen dieser Menschen um 76 Milliarden Dollar. Am Montag kamen dann noch einmal 94 Milliarden an Verlusten hinzu.

Nervosität bleibt

Wie geht es weiter? Die Volatilität an den Märkten ist weiterhin hoch. Daher bleibt auch die Nervosität bei den Anlegern rund um den Globus. Rein technisch könnte der große Ausverkauf vorbei sein. Am Montag war der Markt derart überverkauft, wie es nur selten vorkommt. Aber die Volatilität könnte die Märkte noch über Wochen oder gar Monate begleiten. „Nachbeben“ sind damit nicht ausgeschlossen.

In China konnten sich die Kurse etwas erholen. Allerdings führte die Zinssenkung der Pekinger Notenbank nicht zu der gewünschten Wirkung. Und auch die Ölpreise konnten sich wieder etwas erholen. Der Markt wird nun zur Ruhe kommen und man muss abwarten, wie sich die chinesische Realwirtschaft entwickelt.

Bildquelle: Pixabay

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