Bilanzskandal bei Toshiba

Der japanische Technologie-Konzern Toshiba versetzt gerade mit einem Bilanzskandal den gesamten japanischen Finanzplatz in Aufruhr. Gestern wurde bekannt, dass acht Mitarbeiter in Führungspositionen ihre Jobs verlieren, darunter auch Hisao Tanaka, der Chef des Unternehmens, und Norio Sasaki, sein Amtsvorgänger. Der Hintergrund ist, dass Toshiba seine Bücher um mehr als eine Milliarde Euro geschönt hatte.

Systematische Schönung

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Toshiba hatte in den vergangenen sechs Geschäftsjahren seine Bilanzen systematisch um 1,13 Milliarden Euro geschönt. Am Montag wurde ein Untersuchungsbericht vorgestellt, aus dem deutlich wurde, dass diese Vorgehensweise direkt vom Management veranlasst wurde. Damit muss Toshiba seine Gewinne für den Zeitraum vom April 2008 bis zum März 2014 nach unten korrigieren. Tanaka und Sasakai traten nach dem Bekanntwerden des Berichts ebenso zurück wie sechs ihrer Mitarbeiter. Übergangsweise wird Chairman Masashi Muromachi das japanische Traditionsunternehmen führen.

Bilanzen um 1,13 Milliarden Euro geschönt

Bilanzen um 1,13 Milliarden Euro geschönt Quelle: „TEG Gebäude“ von: Fotograf ist der Benutzer Josef Thiel

Vor einigen Monaten entdeckten die japanischen Regulierungsbehörden Unregelmäßigkeiten in den Büchern von Toshiba. Sie richteten eine unabhängige Kommission ein, deren Vorsitz ein ehemaliger Staatsanwalt aus Tokio innehatte. Der Auftrag war eine umfangreiche Prüfung der Bücher. Toshiba selbst hatte zunächst nur von 50 Milliarden Yen gesprochen, die zu hoch ausgewiesen wurden. Mittlerweile wurde bekannt, dass die Gesamtsumme bei 150 Milliarden Yen liegt. Tanaka wusste ebenso davon wie sein Vorgänger Sasaki.

Die japanischen Behörden sehen die Ursache für den Bilanzskandal in der Führungskultur von Toshiba, die keinen Widerspruch duldet. Das Spitzenmanagement habe Gewinnziele ausgegeben, die die Toshiba-Mitarbeiter nur erreichen konnten, indem sie die Bilanzen gefälscht haben. Toshiba erklärte im April, dass man Kosten für einige Projekte womöglich zu niedrig angesetzt habe. Bislang hat das Unternehmen aufgrund der derzeitigen Situation noch keine Bilanz für das Geschäftsjahr 2014/15 vorgelegt.

Folgen für die japanische Wirtschaft

In den vergangenen Jahren bemühte sich die japanische Regierung darum, das Management der Unternehmen im Land zu verbessern. Der japanische Finanzminister Taro Aso bezeichnete die Vorgänge bei Toshiba als „bedauerlich“ und sagte: „Wenn es Japan nicht gelingt, angemessene Grundsätze der Unternehmensführung umzusetzen, dann kann es das Vertrauen der Märkte verlieren.“. Ob das 1875 gegründete Traditionsunternehmen nun mit einer Strafe zu rechen habe, lies Aso offen. Toshiba könnten hohe Strafzahlungen wegen falsch ausgewiesener Zahlen drohen.

Bereits 2011 hatte die japanische Wirtschaft mit einen Bilanzskandal rund um den Kamera-Hersteller Olympus zu kämpfen, der seine Bilanzen aufgebläht hatte. Was könnte dieser erneute Skandal in der japanischen Wirtschaft für den Handelsplatz und für die Anleger bedeuten? Da dies nun der zweite Vorfall bei einem japanischen Unternehmen war, kann die Frage auftauchen, ob japanische Unternehmen anfällig für Bilanzfälschungen sind oder ob es gar Fehler im wirtschaftlichen System gibt.

Japanische Firmen weißen deutliche Schwächen beim Thema Transparenz auf. Die Interessen der Aktionäre spielen im Zweifelsfall nur eine untergeordnete Rolle. Das Bewusstsein, das Firmen letztendlich den Aktionären gehören und dass die Firmen daher im Interesse der Aktionäre handeln sollten, fehlt in Japan. Dazu kommt, dass in der typisch japanischen Firmenkultur Widersprüche und konträre Meinungen oft unterdrückt werden. Offene, kontroverse Diskussionen – Fehlanzeige. Meist wird ein Beschluss angefertigt und von den verschiedenen Managementbereichen widerspruchslos abgesegnet. So können leicht Vorwürfe aufkommen, dass irgendetwas vertuscht wurde.

Zudem werfen die japanischen Konzerne geringere Renditen ab, als westliche Unternehmen. Damit sind sie wenig attraktiv für Anleger. Dazu kommt eine hohe Verschuldung der Bank von Japan sowie Anleihekäufe der Nationalbank. Nach dem Amtsantritt von Shinzo Abe als Premierminister 2012 wurde ein wahrer Aktienboom ausgelöst, an dem sich deutsche Anleger aber nicht beteiligt haben.

Auf der anderen Seite hat sich Japan im letzten Jahrzehnt sehr gewandelt und entwickelt sich stetig weiter. Wirtschaftsreformen stehen an und werden damit auch höhere Renditen mit sich bringen. Derzeit werden Überkreuzbeteiligungen an befreundeten Unternehmen zurückgefahren und die Dividenden und Aktienrückkäufe an Aktionären werden erhöht. Zudem wächst das Bewusstsein für Transparenz und Offenheit bei einigen Unternehmen. Sie suchen von sich aus den Dialog mit der Öffentlichkeit und den Aktionären. Zudem gehen Weltkonzerne wie Toyota als Vorbild voran und beginnen beispielsweise, gezielt firmenfremde Experten in höhere Führungsebenen zu holen, um in Vorstandsdiskussionen Fachwissen einzubringen.

Darüber hinaus drängen institutionelle Investoren und die Regierung die Unternehmen zu einer besseren Unternehmensführung. So hat die Regierung in diesem Jahr eine Governance-Reform durchgesetzt. Das Ziel ist, dass mehr firmenfremde Direktoren in den Vorständen mitarbeiten sollen.

Der Handelsplatz Japan ist für ganz Asien besonders wichtig. Außer Singapur gibt es keinen vergleichbaren Ort in Asien. Beim Kursrutsch in China in der vergangenen Woche wurde deutlich, welche Rolle die chinesische Politik an der Börse spielt. Und dies wirkt sich auch immer mehr auf Hongkong aus. Südkorea ist zwar ein technisch äußerst fortschrittliches Land, aber die Unternehmensführung ist auf einem noch schlechteren Stand, als in Japan. Japan sticht in Asien zudem mit Stabilität und Rechtssicherheit hervor. Singapur ist dagegen sehr transparent, aber Japan punktet mit höheren lokalen Ersparnissen und Finanzmasse.

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