BaFin verärgert über Deutsche Bank

Die Deutsche Bank hat derzeit mit einem besonders schlechten Ruf, zahlreichen Skandalen und einer Gerichtsverhandlung in München zu kämpfen. Und nun taucht auch noch ein Brief der BaFin auf, in dem der Deutschen Bank grenzenlose Gier nach Profit, Wegschauen und Verschleierung vorgeworfen wird.

Frauke Menke von der Bankenaufsicht beobachtete Unwahrheiten und schludrige Kontrollen bei der Aufarbeitung des Libor-Skandals. Ihr Brief an die Deutschen Bank wurde bereits in Teilen öffentlich und liegt nun dem Wall Street Journal vor. Die BaFin wird der Deutschen Bank vor, sechs Führungskräfte hätten über Jahre hinweg versuchte Marktmanipulationen nicht verhindert. Wenn die Verantwortlichen mit den Zinsmanipulationen anders umgegangen wären, wäre dies für die Bank deutlich günstiger gewesen und der Imageschaden hätte sich in Grenzen gehalten.

Investoren alarmiert

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Die Deutsche Bank versucht ihr dunkles Image aufzupolieren

Schon seit Jahren versucht die Deutsche Bank ihr Image aufzupolieren und ihren einst guten Ruf wieder herzustellen. Doch auch Investoren sind nach hohen Aktienverlusten und Rekordstrafen mehr als alarmiert. Und nun stehen weitere regulatorische Strafen im Raum.

Firmenkunden verlieren zunehmend Firmenkunden das Vertrauen in die Deutsche Bank. Das Fachmagazin „Finance“ legte kürzlich eine Umfrage unter 117 Finanzchefs von mittelständischen Unternehmen und Konzernen vor. Davon gaben nur elf Prozent an, dass ihr Vertrauen in die Bank in den vergangenen Monaten nicht gelitten habe. 60 Prozent jedoch begrüßen, dass die Deutsche Bank einen personellen Neuanfang wagt. Dennoch orientieren sich die Finanzchefs derzeit eher an der Commerzbank als erste Adresse für Firmenkunden in Deutschland.

Finanzexperten sorgen sich auch aufgrund der neuen Ausrichtung der Bank. Die Hälfte der Befragte gab an, dass sie keine Klarheit über die Entwicklung der Deutschen Bank hätten und was die Veränderungen für ihre geschäftlichten Beziehungen zur Bank bedeuten werden.

Originaltöne zitiert

Die BaFin erhebt in ihrem Brief schwere Vorwürfe gegen vier amtierende Vorstände und zwei weitere Führungskräfte in wichtigen Positionen. Sie seien ihren Kontrollpflichten nicht nachgekommen und hätten die Bankaufsicht nicht ausreichen und korrekt informiert. Die Deutsche Bank weist die Vorwürfe der BaFin entschieden zurück. Man bedaure die Verfehlungen zutiefst und habe bereits interne Prozesse verbessert. Zudem würde die BaFin Aussagen der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young aus dem Zusammenhang reißen. Auch Noch-Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain wies die Vorwürfe von Frauke Menke zurück. Die BaFin wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Die BaFin zitiert in ihrem Brief Aussagen der Deutsche-Bank-Verantwortlichen. So schwärmt Anshu Jain von „Geldbergen“, die der Libor-Händler der Bank einbringen werde, und setze sich in einem Telefonat mit seinem Vorgänger Josef Ackermann für Christian Bittar ein, der seinerzeit damit drohte, die Bank zu verlassen. Bittar gilt als einer der Schlüsselfiguren im Libor-Skandal. Jain beschrieb Bittar als eine Person, die „garantiert Geld macht“. Bekannt ist, dass Bittar Boni in Höhe von 80 Millionen Euro bekommen hatte.

Die BaFin adressierte ihren Brief übrigens direkt an den Vorstand der Deutschen Bank und verfasste den Brief auf Deutsch. In der englischen Übersetzung umfasst der Brief 37 Seiten. Zudem ist der BaFin-Brief auf den 11. Mai datiert, knapp einen Monat später erklärten Anshu Jain und Jürgen Fitschen ihre Rücktritte von der Deutsche-Bank-Spitze.

Umgang der Deutschen Bank mit Libor-Skandal

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Dank dem Brief der BaFin weiß man nun, was auch die Rücktritte nicht geändert haben. Im April wurde die Deutsche Bank zu einer Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar in Zuge des Libor-Skandals verurteilt. Die BaFin zeigt nun auf, wie die Deutsche Bank mit der Aufarbeitung der Libor-Angelegenheit umgegangen ist.

Die BaFin wirft Stephan Leithner, dem ehemaligen Chef des Rechtsressorts der Deutschen Bank vor, unvollständige und falsche Angabe zu der Rolle von Händlern bei den Zinsmanipulationen gemacht zu haben. Leithner ist derzeit bei der Deutschen Bank für Personal und Compliance zuständig und damit für das regelkonforme Verhalten der Mitarbeiter.

Der ehemalige Finanzvorstand Stefan Krause soll laut BaFin nicht genau genug hingeschaut haben. Er habe zwar Untersuchungen eingeleitet, diese seien aber nicht korrekt und unabhängig genug gewesen. Krause ist heute für das sogenannte Global Transaction Banking, also die Abwicklung der Postbank, verantwortlich.

Der Chief Operating Officer Henry Ritchotte sei dafür verantwortlich, dass es überhaupt erst zu einem regelwidrigen Verhalten der Bank kam. Ritchotte habe an einer Verbesserung der Systeme gearbeitet.

Zudem soll Michele Faissola, der Leiter der Vermögensverwaltung und ein Vertrauter von Anshu Jain, Informationen zurückgehalten habe, obwohl sich Verdachtsmomente ergeben haben. Faissola soll hartnäckig an den Prozessen zur Feststellung des Libor-Zinssatzes festgehalten haben. Diese Versäumnisse sind laut BaFin „schwerwiegend“. Faissola hat sich im Gegensatz zu den anderen erwähnten Deutsche-Bank-Mitarbeitern bei der BaFin gemeldet und die Vorwürfe abgestritten.

Was hat Jain von den Vorgängen gewusst und warum hat die Deutsche Bank nicht früher eingegriffen.? Die BaFin stellt infrage, dass er von den Manipulationen nichts mitbekommen hat. Seine Aussagen werden als“nicht überzeugend“ bewertet.

Dem Risiko-Chef Stuart Lewis und dem juristischen Verantwortlichen Richard Walker wirft die BaFin vor, sie hätten Anfragen der amerikanischen Bankenaufsicht nicht wichtig genug genommen. Außerdem hätten beide irreführende Angaben bei der BaFin gemacht. Die BaFin ist der Ansicht, dass bei der Deutschen Bank Probleme lieber verschleiert und abgestritten werden, als sie offen auszusprechen.

Auch Journalisten sowie die amerikanischen und britischen Finanzaufsichtsbehörden werden der Deutschen Bank bei der Aufarbeitung des Libor-Skandals Irreführung vor. Schon 2008 wurde intern über mögliche Manipulationen gesprochen, man entschied sich aber, gegenüber der Presse dieses Thema nicht anzusprechen.

Bildquelle: Pixabay

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