Trendhandel – Ergebnisse des Handelsstils

- Christian Lukas - 108 Kommentare

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So sehen die Ergebnisse der Fonds aus

Die meisten Börsianer sind überzeugte Trend-Trader. Das Konzept ist einfach und logisch. Sobald es einen Trend gibt, muss man nur noch in Richtung des Trends handeln, denn er enthält die erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass er sich fortsetzt. So ungefähr wäre die Theorie zu beschreiben.

Die Praxis ist weit schwieriger als es scheint. Es gibt beim Trend-Trading schwierige Fragen zu beantworten:

  1. Wann beginnt ein Trend?
  2. Wann muss eine Position geschlossen werden?
  3. Wie groß darf die Position sein?
  4. Wieviel Liquidität darf in der Phase eines Seitwärtsmarktes maximal gehalten werden?

Somit haben alle Fonds ähnliche Fragestellungen. Gehen Sie zu früh in einen möglichen Trend hinein, dann kann es sein, dass der Markt sich doch nur als Seitwärtsbewegung entpuppt. Das Trendsignal wäre dann ein Fehlsignal. Damit die Anzahl der Fehlsignale klein gehalten werden kann, wäre nun die Überlegung, nur dann in einen Trade einzusteigen, wenn der Trend schon klar etabliert ist. Das klingt einfach – ist es aber nicht. Trends entwickeln sich nämlich aus einer dynamischen Bewegung heraus. Wer zu spät in den Trend einsteigt, der hat den Großteil einer Bewegung schon verpasst. Weil natürlich niemand weiß, wie lange ein Trend andauert, kann es sich bei einem dynamischen Kursschub auch um einen kleinen und kurzfristigen Trend handeln. In dem Fall bleibt das Chance-Risiko-Verhältnis ziemlich unbefriedigend.

Christian Lukas

Christian Lukas

Christian Lukas beschäftigt sich sein 1998 mit der Börse. Als privater Trader handelt er in erster Linie den DAX- und den Bund-Future. Seine Spezialität ist die Volumen-Analyse. Dabei wird der Kursverlauf mit dem Handelsvolumen in eine Beziehung gesetzt. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Veränderungen in Angebot und Nachfrage des Handelsobjektes. Weitere Infos unter www.volumen-analyse.de.
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Wieviel verdient man als Trader im Trendhandel?

In der Börsenhistorie gab es immer wieder einige „Überflieger“, die mit einer Rendite von ein paar 1000% im Jahr prahlen konnten. Das ist ohne Frage beeindruckend, doch für den Normal-Trader eher unrealistisch. Solche exorbitanten Renditen sind äußerst selten, und meistens sind die Trader nach ein paar Jahren wieder verschwunden. „Verschwunden“ heißt nicht, dass sie megareich sind und das Leben nun ohne Trading in vollen Zügen genießen. Nein, ganz im Gegenteil, sie sind pleite. Wer nämlich eine raketenähnliche Rendite erzielt, erkauft sich das mit sehr hohem Risiko. Das Risiko ist sogar so hoch, dass ein Totalverlust im Bereich des Möglichen liegt. Mit dieser Herangehensweise ist die Pleite nur eine Frage der Zeit.

Das verdienen Fonds mit Trendhandel

Die Frage zur realistischen Rendite lässt sich gut über etablierte Fonds beantworten. Öffentliche Fonds müssen ihre Zahlen bekannt geben. Im Internet gibt es einige Webseiten, die sich speziell mit Trend-Trading beschäftigen. Hier habe ich eine Aufstellung von Fonds gefunden, die auf Trend-Trading spezialisiert sind (Trend Following Wizards).

Interessanterweise haben sich von den 22 genannten Fonds sieben mit dem früheren Turtle-Experiment beschäftigt. Einer der Fonds wird sogar von William Eckhart gemanagt. Er ist der Ideengeber für die Turtle-Strategien.

 

Fundaktive JahreCAGRmaxDDAvg DDSharpe
Abraham Trading2016,3%27,2%7,6%0,71
Altis Partners920,4%24,7%7,2%0,92
BlueTrend618,7%12,5%2,7%1,32
Campbell&Comp209,8%32,8%7,8%0,67
Chesapeake2012,0%23,4%5,3%0,74
Clarke Capital1424,5%31,2%8,7%0,73
Drury1316,3%32,5%9,4%0,8
Dunn2014,5%60,3%19,5%0,59
Eckhardt Trading1817,2%27,1%4,8%0,86
EMC Trading2011,9%45,2%15,4%0,52
Hawksbill2020,3%61,8%19,5%0,62
Hyman Beck1912,9%29,3%6,6%0,73
JWH2012,0%43,6%12,1%0,57
Man AHL1211,4%17,3%4,0%0,79
Millburn2012,0%22,8%5,0%0,8
Rabar Market2013,7%29,8%10,8%0,7
Saxon Invest2013,8%41,5%9,2%0,64
Superfund1412,8%29,4%7,9%0,62
Transtrend1810,7%8,5%1,6%1,18
Winton1218,6%26,6%4,5%0,93
CADR = Compound Annual Growth Rate
maxDD = max. Drawdown
Avg DD = Average Drawdown
Sharpe Ratio = Kennzahl, die Rendite und Risiko vereint

Das Risiko beim Trendhandel

Die obere Tabelle ist sehr aufschlussreich. Es ist davon auszugehen, dass nur professionelle Marktteilnehmer innerhalb der Fonds arbeiten. Trotzdem zeigen einige Fonds ein sehr hohes Drawdown. Der maximale Drawdown entspricht dem höchsten Kapitalrückgang bei der Umsetzung des Trendhandels. Es liegt nahe, dass jeder Trader bemüht sein muss, den Drawdown möglichst klein zu halten. Wenn ein Trader einen Drawdown von unter 20% erreicht, dann gilt er im Allgemeinen als zuverlässiger Risiko- und Geldmanager. Von den hier aufgeführten Fonds bieten 16 Stück (72%) einen höheren Drawdown als 20% an. In einem professionellen Umfeld ist das erstaunlich. Eine pauschale Erklärung ist allerdings nicht möglich, denn jeder Fonds hat seine eigenen Handelsregeln. Außerdem sind die Handelsstrategien nicht identisch. Alles was wir wissen, ist schließlich, dass der Trendhandel im Fokus steht.

Die Problematik, richtige Entscheidungen zu treffen

Wie bereits oben angedeutet, ist es schwierig den richtigen Ein- und Ausstieg zu finden. Im Vergleich ist der Einstieg einfacher als der Ausstieg. Meistens geht es beim Trendhandel um neue Hochs im Aufwärtstrend oder neue Tiefs im Abwärtstrend. Der Ausstieg aus einer Position ist immer ein Spagat. Grundsätzlich möchte ein Trend-Trader den Trend solange wie möglich ausnutzen. Er wird demnach tolerant mit entgegengesetzten Kursbewegungen umgehen. Wer jedoch zu lange in einem Trend bleibt, der erkennt nicht, dass der Markt bereits gedreht hat. Bei einem zu späten Ausstieg ist ein Großteil der Trendbewegung wieder verloren gegangen.

Wie schwierig der Ausstieg auch für Profis ist, zeigt die folgende Grafik.

SS&P500-Index- mit Fond-Performance

Bild: Wochen-Chart des S&P500-Index mit Fonds-Performances

Innerhalb des Charts sind die Renditen der Trend-Fonds eingezeichnet. Hierbei handelt es sich um den jeweiligen Durchschnittswert der jährlichen Renditen.

Bei den oberen Zahlen muss man einem gemanagten Trendhandel kritisch gegenüber stehen. Der S&P500 hat sich seit 2009 fast kontinuierlich nach oben bewegt. Das bedeutet, die Mehrheit der Aktien ging aufwärts. Umso seltsamer ist die schwache Rendite der Fonds.

Der S&P500-Index hat sich seit Beginn 2010 weit mehr als verdoppelt. 2011 und 2015 waren im Zeitraum die schwächeren Jahre. Dabei entwickelte sich allerdings auch kein Abwärtstrend, so dass eine größere Schieflage nicht berücksichtigt werden konnte. Zählt man die Ergebnisse zusammen, dann wären nur 17% Rendite seit 2010 entstanden. Das ist ein schlechtes Ergebnis im Vergleich zum Index.

Alle genannten Fonds werden aktiv gemanagt. Daher sollte doch eine Outperformance zum Vergleichsindex erzeugt werden können!? Kein Wunder, dass Privatanleger vermehrt auf günstige ETFs setzen. Die Ergebnisse zeigen, dass ein passiver ETF, der den S&P500 nur nachbildet, einen klaren Vorteil im Untersuchungszeitraum gebracht hat.

Timing ist der Schlüssel

Die Underperformance lässt sich nur mit einer schlechten Technischen Analyse erklären. Mit der Technischen Analyse verbinden viele Börsianer und Laien eher ein Kaffeesatzlesen. Die Hauptaufgabe ist aber letztlich das Timing beim Ein- und Ausstieg aus einer Position. Daher ergänzen sich die Fundamentalanalyse und die Technischen Analyse hervorragend. Die Fundamentalanalyse sagt dem Börsianer, was gekauft werden sollte, und die Technische Analyse gibt Auskunft über das „Wann“. Es drängt sich der Verdacht auf, dass Fonds fachliche Schwächen haben könnten.

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