Ausbrüche mit dem On-Balance-Volume (OBV) handeln

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OBV – Eine einfache Konstruktion

Einer der Urväter der Volumen-Analyse ist Joe Granville. In den 1960er Jahren entwickelte er einen einfachen Indikator, der Angebot und Nachfrage für eine Aktie sichtbar machen sollte. Er nannte den Indikator „On-Balance-Volume“ (OBV).

Seine Berechnung ist relativ simpel. Es ist eine Summierung des Handelsvolumens in Abhängigkeit von der Lage des Schlusskurses. Ist der Kurs zum Vortag gestiegen, dann wird das Volumen zum OBV addiert. Bei einem fallenden Kurs wird das Volumen subtrahiert. Mit anderen Worten: Der OBV ist kumuliertes Handelsvolumen in Abhängigkeit vom steigenden oder fallenden Kurs.

Sie finden den OBV in jeder Software der Technischen Analyse. Wenden Sie ihn nur in bestimmten Situationen an.

Anwendungsbedingungen des OBV

Grundsätzlich ist der OBV ein Trendindikator. Deshalb sollte man ihn auch nur für Trends benutzen. Sobald ein Seitwärtsmarkt mit dem OBV analysiert wird, kann es zu unsinnigen Ergebnissen kommen. Vermutlich liegt hier der Punkt, dass einige Trader den Ergebnissen des OBV misstrauen. Ohne Trend und dazu noch das falsche Handelsobjekt führt nicht selten zu wirren Ergebnissen.

Granvilles Grundannahme war, dass in einem Aufwärtstrend mehr Handelsvolumen aufwärtsgerichtet ist. Das Prinzip dreht sich für den Fall eines Abwärtstrends um. Diese These ist logisch, und daraus sollte sich jede Interpretation ableiten. Der Kurs ist Sinnbild darüber was der Markt denkt, und das Volumen gibt Hinweise auf die Marktemotionen.

Welche Bedeutung hat extremes Volumen?

Beim OBV sollte man besonders auf starke und schwache Wellen achten. Beide Wellenformen sind an der Gleichmäßigkeit des OBV-Verlaufes zu erkennen. Eine starke Welle ist geradlinig und ungezackt.

Einzelne Ausreißer des Handelsvolumens können die OBV-Darstellung verzerren. Überraschend hohes Volumen gibt es, wenn sich viele Käufer und Verkäufer treffen. Das kommt stets in besonderen Marktsituationen vor, wo zum Beispiel neue Unternehmensnachrichten veröffentlicht werden, oder zu wichtigen markttechnischen Kursniveaus.

Ein auffallend hohes Volumen deutet auf eine Strukturänderung des Kursverlaufes hin. Es ist eine Neubewertung des Marktes. Dabei wird der Kurs meistens in Richtung des starken Volumens getrieben. So beginnen oder enden Trends.

Bei einzelnen Aktien gibt es manchmal auch eine andere Variante des hohen Volumens. Wenn ein finanzstarker Käufer oder Verkäufer aktiv wird, dann wird er den Markt in die eine oder andere Richtung beeinflussen. Die Interpretation bleibt jedoch gleich, da sich der Markt in Richtung des starken Volumens bewegt.

OBV-Analyse

 

Bild 1: Tages-Chart des DAX im Aufwärtstrend mit OBV-Indikator
Divergenzen oder Konvergenzen zeigen, wie leicht der Markt Widerstände oder Unterstützung durchdringen kann. Der OBV signalisiert, ob der Kurs den Widerstand bzw. die Unterstützung durchbrechen wird.

Entscheidend sind die Hochs und Tiefs

Achten Sie beim OBV weniger auf die Form des OBV-Verlaufs, sondern mehr auf die Hochs und Tiefs. Bei der Volumen-Analyse kommt es darauf an, ob das jeweilige neue Hoch mit viel oder wenig Volumen erzeugt wurde. Wird ein neues Hoch mit geringen Volumen erzielt, dann bedeutet dies, das nur wenige Käufer zu dem Preis bereit waren zu kaufen, und nur wenige Verkäufer den Preis als fair betrachteten, um zu verkaufen. Es steigt damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Kurse wieder zurückfedern. Ein gesunder Volumentrend liegt vor, wenn die Kurse und der OBV in etwa die gleichen Bewegungen vollziehen. Sind der Kurs und der OBV in Harmonie, so dass sie annähernd zeitgleich eine Unterstützung oder einen Widerstand brechen, gibt es eine Fortsetzung des Trends.

Das Volumen ist oft ein Frühindikator

Wer sich mit dem Handelsvolumen beschäftigt, wird feststellen, dass das Handelsvolumen oftmals als Frühindikator für den Kursverlauf genutzt werden. Warum das Volumen vorläuft, zeigt das untere Bild.

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Bild 2: Das Volumen ist Vorläufer des Kurses. Die gestrichelte Differenz zeigt den zeitlichen Vorlauf

So funktioniert der Vorlauf

Innerhalb des Bildes 2 wird der typische Kursverlauf mit dem OBV-Verlauf verglichen. Die Kurswellen und die OBV-Wellen starten und enden zeitgleich. Der entscheidende Unterschied kommt durch Welle b. Während die Kurswelle b relativ tief fällt, kann die OBV-Welle b nicht mithalten. Ursache dafür ist das verminderte Handelsvolumen der OBV-Welle. Die Welle b ist eine Konsolidierung und damit nur eine Reaktion der starken Welle a. Zeitgleich starten nun die Wellen c. Da die OBV-Welle b nicht die relative Tiefe der Kurswelle b erreichte, überschreitet der OBV das Hoch von OBV-Welle a zu einem früheren Zeitpunkt. Damit kommt der Ausbruch des OBV noch vor dem Kursausbruch.

Die Schwächen des OBV

Einige Schwächen gibt es in der optischen Darstellung. Besonders Aktien der „zweiten Reihe“, wie zum Beispiel aus dem kleinen SDAX-Index, zeigen oft verzerrte OBV-Muster. Das Handelsvolumen schwankt dramatisch, so dass Wellen viel kürzer oder länger werden als typisch.

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Bild 3: Tages-Chart von der Aktie Constantin Medien.
Sobald das Handelsvolumen große Schwankungen aufweist, verzerren einzeln Volumentage den Wellenverlauf des OBV.

Seitwärtsmärkte oder Intraday-Kurse haben Volumenschwankungen

Schwächen zeigt der OBV in Seitwärtsmärkten. In diesem Fall entstehen viele Divergenzen, die kaum Auswirkungen auf den Kursverlauf haben. Auch Intraday-Bewegungen mit wenig Volumen und Penny-Stocks auf Tagesbasis entsprechen nicht dem Idealbild für einen funktionierenden OBV.

Der OBV funktioniert seit Jahrzehnten

Der OBV ist und bleibt ein Trendindikator. Das sollte man stets im Hinterkopf haben. Im Umkehrschluss liegt die Schwäche des OBV in Seitwärtsmärkten. Besonders lustlose volumenschwache Seitwärtsbewegungen bringen den OBV an die Grenze seiner Einsatzfähigkeit.

Die Indikatorenwelt bietet zahlreiche weitere Indikatoren, die Kurs und Volumen in ein Verhältnis setzen. So sind Gewichtungen und Filterungen des Volumens möglich. Der OBV ist jedoch innerhalb eines Trends und zur Ausbruchsdiagnose nur sehr schwer zu übertreffen. Joe Granville hat 1963 den Indikator bekannt gemacht. Er ist viele Jahrzehnte alt, und doch haben technische Analysten kaum bessere Indikatoren finden können. Das sagt viel über den OBV aus.

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