Bargeldlos bezahlen: Apple Pay startet in Großbritannien

Seit gestern können die Kunden in Großbritannien in der U-Bahn, bei McDonald’s oder in Cafés mit dem neuen Service von Apple Pay mobil und bargeldlos bezahlen. In Deutschland ist man aber wohl noch nicht soweit, auf sein Bargeld zu verzichten; gerade kleinere Beträge wie den Kaffee im Lieblingskaffee um die Ecke oder eine Taxifahrt bezahlt man hierzulande lieber in bar.

In den USA läuft Apple Pay schon seit Oktober 2014. Nun startet der Dienst im ersten Land außerhalb der Vereinigten Staaten. In der Londoner U-Bahn hält man nun anstatt seine EC-Karte oder die spezielle Bezahlkarte für den öffentlichen Nahverkehr in den Kartenautomaten einzustecken, sein Smartphone an den Automaten. Auch mit der Apple Watch ist das mobile und bargeldlose Bezahlen möglich. Über 250.000 Geschäfte und Cafés sowie acht große Banken akzeptierenereits diese Bezahlform, darunter Marks and Spencer, Starbucks und Costa.

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Apple könnte Wandel auslösen

Möglicher Schritt in eine bargeldlose Zukunft

Möglicher Schritt in eine bargeldlose Zukunft

Erste Experten trauen Apple mit seinem neuen Bezahldienst bereits zu, dass es gelingt, dass viele Menschen in Zukunft auf Bargeld verzichten. Gerade in Großbritannien scheint die Akzeptanz der Menschen dafür besonders groß zu sein, in Deutschland sind wir noch lange nicht so weit. Positiv ist zudem, das gleich zum Start zahlreiche bekannte Händler und Banken dabei sind. Das Mobile Payment bietet zahlreiche überzeugende Argumente wie sichere Verschlüsselung und könnte sich daher rasch durchsetzten.

In Deutschland ist man dagegen eher skeptisch gegenüber einer derartigen Entwicklung. Zudem herrscht großer Nachholbedarf bei der technischen Ausrüstung. Der Digitalverband Bitkom schätzt zwar, dass es etwa 60.000 Akzeptanzstellen für kontaktloses Bezahlen gibt, das sind jedoch lediglich etwas acht Prozent aller Kassen im Land.

Dennoch tut sich gerade auch bei uns etwas und die ersten Händler rüsten auf. Aldi Nord stellte kürzlich in allen 2.400 Filialen auf das bargeldlose Bezahlen um und auch Kaufland, Aldi Süd und Lidl ziehen nach. Dort werden seit dem 1. Juli in allen Filialen die Kreditkarten von Mastercard und Visa akzeptiert. Damit wird die Grundvoraussetzungen für die flächendeckende Nutzung kontaktloser Kreditkarten geschaffen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wenn die EC-Karte nicht mehr in das Kartenlesegerät eingesteckt werden muss, geht das Bezahlen schneller.

Pilotprojekt in Berlin

Vielversprechend ist auch der Modellversuch NFC City Berlin, der im April in der Hauptstadt startete. Dort kann über die sogenannte Nahfeldkommunikation bargeldlos über den Mobilfunk gezahlt werden. Etwa 500 Einzelhändler, darunter auch Galeria Kaufhof, Real und Obi, nehmen teil. Doch die Deutschen vertrauen ihrem Bargeld. Im vergangenen Jahr wurden gerade einmal 0,1 Prozent des Umsatzes bei den Lebensmitteldiscountern mit Kreditkarte bezahlt. Das Zahlen per Kreditkarte ist die Voraussetzung für mobile Bezahlsysteme wie das neue Apple Pay.

Das mag auch der Grund sein, warum Apple seinen neuen Service zunächst in Großbritannien eingeführt hat. Dort waren die Kunden vor allem begeistert, dass das System auf Anhieb reibungslos funktionierte. Um einen Coffee-To-Go zu bezahlen, muss man nur noch das Smartphone an das Kartenlesegerät halten. Das Telefon vibriert und das Geld wird vom Konto abgezogen. In wenigen Sekunden erfolgt die Bezahlung.

Einzig einige britische Banken trüben die Stimmung. Wer ein Konto bei Barclays, HSBC oder TSB hat, kann Apple Pay bislang noch nicht nutzen. Dagegen unterstützen NatWest, die Royal Bank of Scotland und Santander den Dienst bereits. Allerdings können bislang nur Beträge bis zu 20 Pfund auf diese Weise bezahlt werden. Im September steigt die Grenze auf 30 Pfund. Es gibt jedoch bereits moderne Lesegeräte, mit denen bald auch größere Summen gezahlt werden können.

Noch viel Überzeugungsarbeit notwendig

Zahlreiche Nutzer sind jedoch weiterhin skeptisch. So sind einige britischen Kunden bereits so sehr an das kontaktlose Bezahlen mit der Kreditkarte gewöhnt, dass sie keinen Grund sehen, mit ihrem Handy zu bezahlen. Dort sind rund 58 Millionen Kreditkarten mit der Möglichkeit zum kontaktlosen Bezahlen im Umlauf. Damit sind kleinere Beträge in Sekundenschnelle bezahlt. 2014 wurden auf diese Weise 250 Prozent mehr Einkäufe bezahlt, als im Jahr zuvor.

In Deutschland steht man vor ganz anderen Problemen. Die Deutschen sind überaus skeptisch, was das mobile und kontaktlose Bezahlen angeht. Nur 31 Prozent der Deutschen würden ihren Einkauf im Laden gerne automatisch per Lastschrift bezahlen. Für 88 Prozent der Deutschen ist die größte Hürde dabei der Datenschutz, wie das Marktforschungsunternehmen Nielsen herausfand. Und auch die Kosten sind ein wichtiges Thema. Wenn der Markt und die Technik da ist, möchte weder der Händler noch der Endkunde die Kosten übernehmen. Doch Experten sind zuversichtlich: Wenn das Mobile Payment überall möglich ist, werden die Kunden es auch nutzen. Aber: Wie das Meinungsforschungsinstitut YouGov kürzlich herausfand, sind drei Viertel der Deutschen gegen eine Abschaffung des Bargelds. Hierzulande wird damit noch viel Überzeugungsarbeit und Information der Kunden auf die Anbieter zukommen.

Bildquelle: Pixabay

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