Ist AOL seine Milliarden wert?

Verizon kauft AOL für 4,4 Milliarden US-Dollar und erhofft sich dadurch eine Verbesserung des Marketings. Zudem meldete der Axel Springer Verlag Interesse an der „Huffington Post“.

Werbeplattform als Kaufargument

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Als expliziten Grund für die Übernahme nannte Verizon-Chef Lowell McAdam die Werbeplattform AOL One. Derzeit kann das Angebot zwar noch keinen Gewinn verbuchen, allerdings steigt der Umsatz dort kontinuierlich an und behauptet sich gegen Konkurrenten wie Facebook und Google. Unklar ist derzeit, inwieweit der Konzern neben dem Werbeangebot auch an den Content-Angeboten von AOL interessiert ist. Neben der „Huffington Post“ gehören auch die Angebote „TechCruch“ und „Engadget“ zum Angebot des Internet-Providers. Das Unternehmen legt dabei auch viel Wert auf Bewegtbilder und bietet verschiedene Videokanäle an.

Branchenkenner vermuten, dass Verizon mit der Übernahme vor allem den Einstieg in ein neues Erlösmodell finden möchte. Provider gelten derzeit hauptsächlich als Zugangsdienstleister zum Internet. Außerhalb von Preissenkungen gibt es innerhalb der Branche kaum Differenzierungsmöglichkeiten. Content und Marketing könnten dazu führen, dass Verizon dem Preisdruck entkommen und andere Möglichkeiten der Abgrenzung finden kann.

Laut AOL-Vorstandschef Tim Armstrong soll rund 80 Prozent des Medienkonsums in den kommenden Jahren über mobile Geräte stattfinden. Demzufolge hat er in einem Brief an seine Mitarbeiter das Ziel ausgegeben, sich verstärkt auf den mobilen Bereich zu konzentrieren. Verizon hat derzeit rund 100 Millionen Mobilfunkkunden. Auch aus Sicht von AOL könnte die Partnerschaft also sinnvoll sein, denn durch den Kundenstamm von Verizon könnte das Unternehmen sein Ziel, eine führende Rolle bei mobilen Inhalten einzunehmen, wesentlich leichter erreichen.

AOL als Werbeanbieter

AOL-kuendigen-rcm992x0AOL zählte um die Jahrtausendwende zu den bekanntesten Internet-Providern der weltweit. In Hochzeiten konnte das Unternehmen mehr als 30 Millionen Abonnenten verbuchen. Im Jahr 200 fusionierte AOL mit Time Warner. Die Übernahme kostete den Internet-Riesen damals mehr als 160 Milliarden Dollar. Was zuerst wie eine zukunftsweisende Verbindung von alten und neuen Medien wirkte, entpuppte sich jedoch schnell als Fehlinvestition: 2009 wurde AOL wieder abgespalten und konzentriert sich seitdem auf Online-Werbung. Noch immer hat das Unternehmen allerdings zwei Millionen Bestandskunden, die sich per Modem mit 56 kB/s ins Internet einwählen.

Der Internet-Dino hat in den vergangenen Jahren verschiedene Werbe-Start-ups gekauft und sich hinter Google und Facebook zu einem der führenden Werbenetzwerk-Anbieter entwickelt. Die Plattform AOL One ermöglicht Werbekunden, Werbeanzeigen über alle Bildschirmgrößen und Medien-Formate zu organisieren und dabei auch den Werbeplatz anderer Webseiten und Werbeanbieter zu managen. Dies führte dazu, dass AOL seinen Umsatz seit Vorstellung der Plattform Anfang 2014 deutlich steigern konnte und derzeit den fünften Platz hinter Google, Facebook, Microsoft und Yahoo einnimmt.

AOL-Aktie steigt um 18 Prozent

Die Übernahme soll im Sommer abgeschlossen werden. Die AOL-Aktie legte nach der Bekanntgabe der Übernahmepläne um gut 18 Prozent zu und übertraf damit den Kurs von 50 US-Dollar um wenige Cent, den Verizon je Aktie zahlen möchte. Der Kurs von 50,33 US-Dollar stellt zugleich das Allzeithoch des Online-Providers dar. Das Unternehmen gehört zwar zu den hundert größten Medienkonzernen, nimmt dabei jedoch einen Platz im letzten Drittel ein. Die Marktkapitalisierung von AOL beträgt derzeit knapp 4 Milliarden. Die Aktie von Verizon musste hingegen ein Prozent einbüßen.

Beide Unternehmen sind in der Vergangenheit mit Vodafone (Verizon) und Time Warner (AOL) bereits Partnerschaften mit großen Konzernen eingegangen. Bei beiden verlief die Zusammenarbeit nicht oder nur bedingt erfolgreich. Es gilt als wahrscheinlich, dass AOL nach der Übernahme zu einer Abteilung von Verizon wird, die weiterhin von Tim Armstrong geführt wird. Die Medienangebote könnten allerdings als weitere Tochter ausgegliedert werden.

Inwiefern AOL also tatsächlich die Möglichkeit erhalten wird, seine Inhalte mobil zu verbreiten, ist derzeit also fraglich. Auch Verizon hat seinen Kunden in der Vergangenheit jedoch mobile Inhalte zur Verfügung gestellt. So überträgt das Unternehmen seit Ende 2013 die Spiele der NFL auf die Geräte seiner Kunden und ließ sich den Vier-Jahres-Vertrag eine Milliarde Dollar kosten. Zudem hat das Unternehmen auch mit anderen Sportkanälen Verträge abgeschlossen und bietet weitere Angebote, die vor allem auf eine junge Zielgruppe von bis zu 30 Jahren abgestimmt sind.

Springer als möglicher Käufer für Huffington Post

Unklar ist derzeit noch die Zukunft der internationalen Internet-Zeitung „Huffington Post“. AOL erwägt anscheinend, die Online-Zeitung zu verkaufen. Als Käufer kommen neben dem deutschen Axel Springer-Konzern auch verschiedene private Beteiligungsgesellschaften infrage. AOL fordert für die „Huffington Post“ angeblich rund eine Milliarde US-Dollar. AOL selbst zahlte für die Zeitung vor einigen Jahren rund 300 Millionen Dollar. Neben Ausgaben in den USA und Deutschland gibt es auch französische, brasilianische und indische Versionen der Zeitschrift.

Der Axel Springer-Konzern kommentierte die Übernahmegerüchte nicht. Verizon soll auf die Verkaufsabsichten von AOL nicht begeistert reagiert haben. Die „Huffington Post“ ist für den Mobilfunkkonzern ein attraktiver Teil der Übernahme und eine Trennungsabsicht bestehe derzeit nicht. Im Gegensatz zur Werbeplattform gehören die Marken rund um Huffington Post zu den Geschäftsbereichen, die bereits jetzt profitabel sind.

Bildquelle: Pixabay

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