Airbus Militärflugzeug in Spanien abgestützt

Ein Militärtransporter des Typs Airbus A400M ist am Samstag bei Testflügen in der Nähe von Sevilla abgestürzt. An Bord waren sechs spanische Besatzungsmitglieder, die bei Airbus angestellt waren. Vier davon starben, zwei weitere kamen mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus. Als Konsequenz aus dem Unglück wird es bei der Bundeswehr, die den Airbus A400M ebenfalls testet, vorerst keine weiteren Testflüge geben. Zunächst sollen genauere Informationen zur Absturzursache abgewartet werden. Der nächste Testflug war für Dienstag geplant.

Das Militärflugzeug war vom Flughafen San Pablo nordöstlich von Sevilla zu seinem ersten Testflug gestartet. In Sevilla befindet sich das Endmontagewerk für den Airbus A400M. Airbus machte zunächst keine Angaben zur Absturzursache, sondern richtete umgehend einen Krisenstab ein.

Probleme direkt nach dem Start

Christian Habeck

Christian Habeck

Christian Habeck ist seit Jahren an den Finanzmärkten aktiv. Im Daytrading widmet er sich bevorzugt dem Forex-Handel, Aktien handelt er mittelfristig (Swing-Trading) mit Hilfe des Ichimoku Kinko Hyo. Infos hierzu findet man auf: www.kumo-trading.de.
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Aufnahme eines A400m beim Testflug

Aufnahme eines A400m beim Testflug , Bildquelle: A400M

Nach Angaben von Flugexperten, die die Flugroute und Bilder vom Absturzort untersucht haben, spricht alles dafür, dass der Pilot direkt nach dem Start zum Flughafen zurück fliegen wollte. Dies deutet auf ein schwerwiegendes Problem hin. Der Pilot habe dann eine Notlandung versucht, weil die Landebahn nicht mehr zu erreichen war. Der Absturz erfolgte nur drei Minuten nach dem Start. Ein technischer Defekt gilt als mögliche Absturzursache.

Das Modell mit der Fertigungsnummer MSN 23 war für die türkische Luftwaffe vorgesehen und sollte im Juni geliefert werden. Die Türkei hat insgesamt zehn A400M bestellt und bereits zwei erhalten.

Der Airbus A400M ist das größte Militärflugzeug mit Propellerantrieb der Welt. Airbus hat Maschinen dieses Typs bereits an Großbritannien, Malaysia, Deutschland, Frankreich und die Türkei ausgeliefert. Der Absturz am Samstag war der erste Absturz einer Maschine dieses Typs.

Weiteres Problemprojekt der Bundeswehr

Nicht nur für Airbus, sondern auch für die Bundeswehr stellt der Absturz der A400M eine weitere negative Meldung dar. Derzeit hat man im Verteidigungsministerium alle Hände voll zu tun mit dem G36-Sturmgewehren der Truppe. Und im Allgemeinen gilt die Bundeswehr als schlecht ausgerüstet. Auch die Entwicklung des A400M hat sich um Jahre verzögert und ist teurer geworden, als ursprünglich geplant.

Die Bundeswehr bekam das Flugzeug im Dezember 2014. Insgesamt erwartet die Luftwaffe 53 Flugzeuge dieses Typs. Die Flugzeuge sind auf dem Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen stationiert und noch in diesem Jahr soll eine weitere Maschine dazu kommen. Die Bundeswehr sieht allerdings großen Nachbesserungsbedarf, daher kann die Transportmaschine wohl erst in vier Jahren zum Einsatz kommen. Unter anderem fehlt noch ein Schutzsystem für Einsätze in gefährlichen Gebieten.

Pannen-Projekt von Airbus

Das A400M-Projekt von Airbus war schon bislang von Verspätungen, Verlusten und Problemen gekennzeichnete. Der Absturz in Spanien ist nun der traurige Höhepunkt der Pannenserie. Und für Airbus ist der Absturz weiterer ein erheblicher Rückschlag. Zudem reißt die Serie schlechter Nachrichten für das Unternehmen nicht ab. Auch die Unglücksmaschine des tragischen Germanwings-Absturzes am 24. März über Südfrankreich ein Flugzeug aus dem Hause Airbus. Als Folge sankt am Montagmorgen die Airbus-Aktie um zwei Prozent.

Airbus berät sich nun erst einmal im Krisenstab, den Airbus Defence and Space eingerichtet hat. Außerdem wurde ein Expertenteam nach Sevilla entsandt. Die gesamte weitere Entwicklung des A400M und das gesamte Programm hängen nun von der Fehlerursache ab.

Eigentlich sollten in diesem Jahr noch 14 bis 18 A400M-Maschinen ausgeliefert werden. Ursprünglich waren 22 Auslieferungen vorgesehen, doch Airbus konnte diese Zahl nicht erreichen. Auch die angestrebten 14 bis 18 Auslieferungen sind nun fraglich, weil zunächst Konsequenzen aus dem Unfall gezogen werden.

Technische Probleme, Qualitätsmängel und Verzögerungen sind leider nichts Neues beim A400M. Immer wieder musste das Unternehmen beim A400M-Programmen derartige Schwierigkeiten zugeben. Und das bringt hohe Kosten für Airbus mit sich: Allein im vierten Quartal 2014 wurden 551 Millionen Euro Sonderbelastungen bei A400M verbucht. Die langjährigen Verzögerungen ließen die Kosten für das Programm von ursprünglich 20 Milliarden Euro um 6,8 Milliarden Euro steigen.

Probleme seit mehreren Jahren

Übrigens wäre das A400M-Programm fast schon einmal gescheitert. Als Thomas Enders 2010 an der Spitze der Airbus-Tochter EADS stand, drohte er damit, das Projekt fallen zu lassen. Er fordere von den sieben beteiligten Staaten, die Mehrkosten zu übernehmen. EADS war damals für die Militärflugzeugsparte zuständig.

Von Qualitätsmängel beim A400M wird immer wieder gesprochen. Angebliche wurden beispielsweise bei der Abnahme lose Schrauben im Cockpit gefunden. Das erste Modell, dass Ende 2014 an die Luftwaffe geliefert wurden, hat angeblich 161 Mängel aufgewiesen! Darunter sollen vier permanente und vier vorübergehende Schwächen sein, die sogenannte „nennenswerte Fähigkeitseinbußen“ zur Folge haben können.

Im Übrigen hängt Airbus dem Zeitplan soweit hinterher, dass die europäische Beschaffungsbehörde Occar sogar den Auftrag stornieren könnte. Die wird aber nicht der Fall sein, da neu Staaten zu den Airbus-Kunden gehören und die insgesamt 174 bestellten Flugzeuge dringend benötigen. Bei der Bundeswehr soll mit dem A400M die veraltete Transall-Maschine abgelöst werden.

Wegen der Probleme beim A400M wurde schon zu Beginn des Jahres die Führungsspitze der Militärflugzeugsparte ausgewechselt. Der Spanier Domingo Urena-Raso trat zurück und machte den Platz frei für Fernando Alonso, der den Job zum 1. März antrat. Alonso war zuvor für die Flugtestprogramme der Zivilflugzeugsparte verantwortlich.

Bildquelle: Pixabay

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